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Kolmne zum Corona-KollerHomeoffice am Arschlekkeri

«Poller»-Kolumnistin Frau Feuz ist auf der Suche nach finnischer Inspiration.

Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Nachbar (durchs Loch in der Küchendecke): Feuz, kann ich dich was fragen?

Frau Feuz: Nein!

Nachbar: Was ist denn mir dir los? Schlechte Laune?

Frau Feuz: Druck. Ich muss morgen eine Kolumne abgeben und habe erst drei Wörter
geschrieben.

NB: Und die wären?

FF: «Giraffe im Schützengraben.»

NB: ???

FF: Job verfehlt halt. So wie ich.

NB: Ach komm schon, Feuz. Du packst das. Hast du doch früher auch immer.

FF: Nichts ist mehr wie früher. Nicht mal mehr auf die finnische Inspiration ist Verlass.

NB: ???

FF: Früher ist man im Fall von Einfallslosigkeit für ein paar Tage nach Helsinki gedüst. Dort konnte man an irgendeinem heruntergekommenen Bartresen problemlos drei Stunden lang in eine Wodkaflasche starren, ohne auch nur ein Wort wechseln zu müssen. Nein, das ist nicht tragisch, sondern kontemplativ. Schweigen, saufen, zwischendurch in die Sauna oder einen Gummistiefel durch die Gegend werfen. Die reinste Erholung! Epiphanien à gogo hatte ich da. Aber jetzt sollen die Finnen ja plötzlich nicht mehr wortkarg sein, sondern reden wie Bücher. Und anstatt mit stoischer Verzweiflung, Schnaps und Heavy Metal den Abgründen dieses Undings, das sich Leben nennt, nur so häbchläb trotzen zu können, sollen sie nun das glücklichste Volk der Welt sein?! Ja Himmelherrgott, macht denn hier eigentlich jeder einfach, was er will?!

NB: Feuz, du bist eine Draamaakuyn, wie die Finnen sagen würden.

FF: Ach. Du kannst mich mal am Arschlekkeri.

NB: (kicher)

FF: Arschlekkeri, der ist gut, gell. Finnisch ist ja aber auch eine geile Sprache. Man nehme einen Sack voll y, ä, k, tt, pp, schüttle einmal ordentlich durch, et voilà, fertig ist das finnougrische Spprachsüppken. Die Finnen haben ja auch so Fantasiewörter an Geschäfte gepinselt, allein um Touristen zu beschimpfen. «Pölypussit» zum Beispiel. Polypenpussi, chchch. Nicht mehr alle Mumins im Tal haben, aber eine dicke Lippe riskieren. Hach. Man muss sie doch einfach mögen, diese Finnen. Item. Was wolltest du mich fragen?

NB: Ich will einen neuen Job. Etwas, das sich gut im Homeoffice erledigen lässt. Vorschläge?

FF: Zoowärter? Auftragskiller?

NB: Feuz, du bist doof.

FF: Onlineunterricht? Viren sollen ja beispielsweise sehr gelehrsam und interessiert an
Weiterbildung sein.

NB: Feuz, du bist nicht nur doof, sondern richtig doof. Und du? Was machst du jetzt mit deiner Kolumne? Die Niederlage eingestehen? Eine ordentliche Übergabe in die Wege leiten und der Nachfolgerin alles Gute wünschen? Wirst du endlich gehen?

FF: Bloss weil ich meinen Job nicht anständig mache, soll ich den Sessel räumen?! NIEMALS! STOP THE STEAL! MILLIONEN VON LESERN UND LESERINNEN LIEBEN MEINE KOLUMNEN. DIE SEHR GUT SIND. SEHR SEHR GUT. WEIL ICH SIE GESCHRIEBEN HABE. WEIL ICH KOLUMNENSCHREIBEN ERFUNDEN HABE. Ach so, nein, das war der Schawinksi. Hach Nachbar, ich weiss doch auch nicht. Kalsärikännit? Magst auch einen Plörö?

NB: Aber nur, wenn du deinen Pyjama wechselst. Und den alten verbrennst. Den trägst du jetzt seit drei Wochen ununterbrochen.

FF: Ja und?! Ein Herz für Tiere, kennsch?! Und du willst Zoowärter werden?!

Frau Feuz ist freie Kulturjournalistin und langweilt sich ganz furchtbar im Homeoffice. In Finnland wird die Gummistiefelweitwurf-Weltmeisterschaft ausgetragen, «Pölypussit» heisst Staubbeutel, «Kalsärikännit» bedeutet übersetzt so viel wie «Sich zu Hause allein in der Unterwäsche betrinken ohne die Absicht, noch auszugehen». Als «Plörö» wird scherzhaft ein finnisches Frühstück bezeichnet, das aus Kafischnaps und einer Zigarette besteht. Ob der
Chef auch Kalsärikännit im Homeoffice betreibt, ist nicht klar, weil anderer Haushalt.