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Kommentar zu Türkei und GriechenlandHohn für die Diplomatie

Der türkische Präsident provoziert – obwohl man in letzter Zeit versucht, mit Verhandlungen auf ihn zuzugehen.

Das Forschungsschiff Oruc Reis wird von der Türkei als Druckmittel im Streit um Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer eingesetzt.
Das Forschungsschiff Oruc Reis wird von der Türkei als Druckmittel im Streit um Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer eingesetzt.
Foto: Yoruk Isik (Reuters)

Man darf annehmen, dass Recep Tayyip Erdogan genau weiss, was er da tut. Der Zeitpunkt seiner neusten Provokation im östlichen Mittelmeer kann kein Zufall sein, und der türkische Präsident wird sich gut überlegt haben, welche Reaktionen er damit hervorruft; in Athen, in Brüssel, in Berlin.

Eigentlich sollten nächste Woche die griechische und die türkische Regierung zu neuen Sondierungsgesprächen zusammenkommen; der Dialog über die umstrittenen Seegrenzen zwischen den beiden Staaten liegt seit 2016 auf Eis. Seine Wiederbelebung gilt als grosser Vermittlungserfolg der deutschen Regierung. Dass Erdogan nun ausgerechnet in dieser Phase sein Forschungsschiff Oruc Reis abermals in die erdgasreichen Gebiete um die griechische Insel Kastellorizo schickt, ist auch eine Geste des Hohns in Richtung Berlin.

Ankara argumentiert, dass das Gebiet um die Inseln Kastellorizo und Rhodos zum Festlandsockel der Türkei gehöre. Einen ähnlichen Konflikt gibt es um die Insel Zypern, vor deren Küste schon reiche Erdgasvorkommen entdeckt wurden. Der Streit war im August eskaliert, hatte sich dann zwischenzeitlich aber wieder etwas entspannt.

Impulsive Drohgesten

Der deutsche Aussenminister Heiko Maas hat nun kurzerhand entschieden, vor dem anstehenden EU-Gipfel nicht wie eigentlich geplant nach Ankara zu reisen, sondern zunächst nach Athen. Das ist ein deutliches, ein richtiges Signal. Staatschef Erdogan hat mit seiner Aktion bewiesen, was von ihm als Verhandlungspartner zu halten ist. Wer derart impulsiv auf Drohgesten als Mittel der Aussenpolitik setzt, braucht sich auch nicht zu beklagen, wenn die Europäer ihrerseits mit Sanktionen drohen.

8 Kommentare
    Christian Maurer

    Langfristig kann die Türkei nur verlieren. Die Zeit arbeitet gegen sie: Der Kurs der türkischen Lira ist im freien Fall, das Handelsbilanzdefizit wächst rasch und immer mehr Unternehmen geraten in Schieflage. Dazu kommen die steigenden Ausgaben für die Aufrüstung. Die Türkei befindet sich bereits in einer Negativspirale.