Höhere Löhne dank Robotern

Der technische Fortschritt nimmt uns nicht die Arbeit weg.

Reiner Eichenberger@sonntagszeitung

Viele behaupten, infolge technischen Fortschritts und Roboterisierung gehe uns die Arbeit aus und wir bräuchten halt doch ein bedingungsloses Grundeinkommen. Das ist bedingungslos grundfalsch.

Seit Neandertal ist der technische Fortschritt fast unermesslich. Trotzdem hat der Wohlstand der Massen zugenommen, und gute Arbeitskräfte sind Mangelware. Technischer Fortschritt bedroht die Menschen also nicht nur mit Verdrängung, sondern bietet ihnen immer auch neue Möglichkeiten. Kurz: Die allermeisten heutigen Jobs gibt es nur dank moderner Technik und Maschinenunterstützung.

Dagegen wenden Technikfürchtige ein, beim heutigen technischen Fortschritt sei alles anders. Er sei viel schneller und treffe viele Branchen gleichzeitig. Ob das zutrifft oder nicht, sei dahingestellt. Denn entscheidend ist, dass die Arbeit auch bei allgemeinem und beschleunigtem technischem Fortschritt infolge zweier Mechanismen nicht ausgehen wird:

  • Erstens verdrängen Maschinen Menschen dann, wenn sie kostengünstiger arbeiten. Dadurch werden die Produkte und Dienstleistungen der betreffenden Branche billiger. Folglich kann man sich mit dem in allen anderen Branchen verdienten Geld mehr kaufen. Technoschock in der einen Branche heisst also immer, höhere Reallöhne in allen anderen Branchen. Dank der Preissenkungen bedeutet auch ein sinkender Lohn oft noch ein steigendes Realeinkommen. So werden auch schöne Berufe attraktiv, die bisher vielen kein Auskommen sichern konnten, zum Beispiel Kunsthandwerk.
  • Zweitens wirkt gerade der verallgemeinerte schnelle technische Fortschritt nicht nur als Zerstörer alter und Quelle neuer Jobs und ­Chancen, sondern er steigert auch die Effizienz der Stellenvermittlung und der Ausbildung. So verbessert er die Möglichkeiten der Menschen, die neuen Jobs auch wirklich zu finden und sich darauf vorzubereiten. Das steigert die Arbeitsmarkteffizienz und senkt die Arbeitslosigkeit.

Manche Branchen wird der technische Fortschritt aber völlig umpflügen – so etwa die Landwirtschaft. Viele Bauern rechtfertigen ihre Subventionen mit ihrer landschaftspflegerischen Leistung. Bald werden das aber Landschaftspflegeroboter viel billiger tun. Die ersten weitverbreiteten Privatroboter waren Rasenmäher. Bald werden ihre grösseren Brüder die Äcker und Alpwiesen stürmen. Aber keine Angst: Bauern werden dadurch nicht arbeitslos. Sie sind in vielen anderen Branchen hochwillkommen, weil sie vielseitig begabte, selbstständige Mitarbeiter sind.

Vielleicht am direktesten betroffen sind staatliche Verwaltungsangestellte. Bürokraten sind nach Max Weber ja gerade durch ihr unbestechliches, regelgebundenes Verhalten definiert. Das ist genau die Kernkompetenz von Robotern. Bezeichnenderweise glaubt jedoch niemand ernsthaft, dass deshalb viele Staatsangestellte arbeitslos werden. Die Verwaltung wird schnell neue Aufgaben finden. Das ist keine grobe Bürokratietheorie, sondern spiegelt nur die generelle Einsicht: Der technische Fortschritt nimmt uns nicht die Arbeit weg. Es gibt so viel zu tun, dass es immer zu wenig Fachkräfte und Roboter geben wird.

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