Zum Hauptinhalt springen

Kommentar zur den SpielerstreiksHöchste Zeit, dass die Spieler ein Zeichen setzen

Spieler im Streik, der Meisterschaftsbetrieb in Gefahr – und das zu Recht. Denn viele Athleten im amerikanischen Sport kennen Rassismus und Polizeigewalt aus eigener Erfahrung.

Basketball-Superstar und Aktivist: LeBron James ist ein lautstarker Gegner von Donald Trump
Basketball-Superstar und Aktivist: LeBron James ist ein lautstarker Gegner von Donald Trump
Foto: Harry How (Getty Images)

Es ist gar nicht lange her, da hat sich Fox-Moderatorin Laura Ingraham den Basketballstar LeBron James vorgeknöpft. James ist ein kritischer Geist, ein Gegner von Donald Trump – und inzwischen als Aktivist ein Vorbild wie als Sportler. Für Afroamerikaner, für Jugendliche generell. Trump interessiere sich für normale Leute «einen Scheiss», hatte James gesagt. Ingraham kommentierte schroff: «Halt dein Maul, und dribble.»

«Stick to sports» ist eine beliebte Floskel, der sich gerade Konservative bedienen, um Gesellschaftskritik von Sportlerinnen und Sportlern abzukanzeln. Rassenfragen, Gender-Thematik, Debatten über Klima oder Lohngleichheit: «Bleib beim Sport.»

Das gilt längst nicht nur, besonders aber für die USA, wo sich Athleten politisch zeigen wie nirgendwo sonst. Längst nicht nur, besonders aber für die Basketball-Profiliga NBA, in der 75 Prozent der Spieler schwarz sind. Und längst nicht nur für Afroamerikaner wie James: Mit Steve Kerr und Gregg Popovich zielen auch zwei sehr erfolgreiche (und sehr weisse) Trainer regelmässig auf Trump. Popovich schimpfte Trump schon einen «Feigling» und «gestörten Idioten».

Seit Mittwoch wird endgültig nicht mehr geschwiegen. Aber auch nicht mehr gespielt. Und es ist kein Zufall, geht der abrupte Halt nach den Vorfällen in Kenosha im Bundesstaat Wisconsin von der NBA aus: Die meisten Spieler sind schon ihr ganzes Leben mit Rassismus und Polizeigewalt konfrontiert und der Problematik überdrüssig. «Wir verlangen einen Wandel. Ich habe es satt!», schrieb James am Donnerstag auf Twitter – wütend, in Grossbuchstaben. Es ist deshalb richtig und an der Zeit, setzen die Sportlerinnen und Sportler das stärkste Zeichen und blockieren den ganzen Spielbetrieb. Und es ist bezeichnend, schlägt ihnen dafür aus konservativen Kreisen sofort wieder Hass entgegen.

Wegen streikender Spielerinnen und Spieler wurden in Basketball, Baseball, Fussball und Tennis reihenweise Matchs abgesagt, und es wird sich zeigen, ob in den nächsten Tagen ein vernünftiger Meisterschaftsbetrieb möglich ist. Aber: Wozu braucht es jetzt überhaupt Spiele? Die USA plagen gerade grössere Sorgen als die Frage nach dem nächsten Basketballmeister.