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Interview mit dem Performancekünstler Price (bis 3.10.)«Hier, riechen Sie: Es menschelt»

Mit seinen Performances rüttelt der Schweizer Künstler Mathias Ringgenberg alias Price an starren Identitäten. Er sagt, was Mantra-Gesänge und Duft in seiner neuen Ausstellung in der Stadtgalerie Bern zu suchen haben.

Price fragt, welcher Community wir uns zugehörig fühlen.
Price fragt, welcher Community wir uns zugehörig fühlen.
Foto: zvg

Die persönliche Inszenierung ist zentral in Ihrer Arbeit. Und doch ist Ihre Kunstfigur Price in der Ausstellung «Prologue: Mantras for a Club» physisch abwesend. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Ich habe als Performer in unterschiedlichen Kontexten gearbeitet. Eine Ausstellung im institutionellen Raum, wie die Stadtgalerie einer ist, hat eine andere Zeitlichkeit als beispielsweise eine Performance. Ich kann körperlich nicht während der gesamten Ausstellungsdauer anwesend sein. Also haben wir uns auf die Ausstattung und Musik fokussiert. Unter anderem mit dem Produzenten und Komponisten Modulaw und einem Designerteam haben wir eine Stimmung irgendwo zwischen Melancholie, Drama und Empowerment kreiert.

An der Decke hängen schneckenförmig gewundene Theater-Vorhangschienen. In den zwei Räumen sind insgesamt zehn Lautsprecher installiert. Was haben Sie vor?

Die Vorhangschienen haben wir uns gegönnt, nach dem Motto «You only live once». Wir brauchten die stabilsten, weil da massiv viel Stoff daran befestigt wird. Die Vorhänge bestehen zum Teil aus Latex und Fake-Leder, und es gibt Öffnungen, in die man sich hineinbegeben kann. Der Sound ist auf mehrere Kanäle verteilt und fast komplett auf das Vokale reduziert. Ich habe Lieder eingesungen und mich phonetisch an der englischen Sprache orientiert. Dabei geht es mir vor allem um eine menschliche Präsenz, also um die Stimme selbst und nicht um die Sprache an sich. Die Stimmaufnahmen zirkulieren im Raum und korrespondieren mit der fliessenden Bewegung der Vorhänge. Für mich ist das eine Art Gegensatz zum weissen eckigen Museumsraum, den ich bespielen darf.

«Mantras for a Club»: Woher dieser Titel?

Ich arbeite gern mit den Mechanismen der Popmusik, in der sich vieles um Wiederholungen dreht. Auch hat mich das Buch «The Uprising» von Franco Berardi inspiriert, in dem er das Singen von Mantras als einen kraftvollen Akt beschreibt. Und der Club steht für die Frage, welcher Community wir uns zugehörig fühlen. Im Sinne von: Welcher ist dein Club?

«Ich biete dem Publikum an, sich den Raum zu nehmen, und nicht von ihm eingenommen zu werden.»

Mathias Ringgenberg

Welcher ist Ihr Club?

Vielleicht ist «Mantras for a Club» eine Art Hymne für das Transdisziplinäre, das Queere, Resistente. Aber mir geht es nicht nur um eine Identitätspolitik. Ich biete dem Publikum lediglich an, sich den Raum zu nehmen, und nicht von ihm eingenommen zu werden.

Da liegt auch ein Stück Seife. Was hat es damit auf sich?

Hier, riechen Sie: Frisch zwar, aber mit milchig-säuerlicher Note. Auf Berndeutsch würde man wohl sagen: «Es mönschelet.» Niklaus Mettler, er führt das Parfümlabel In’n’Out Fragrances, hat die Seifenstücke für mich hergestellt. Der Geruch gelangt als eine performative Geste in die Räume der Institution und suggeriert den Drang einer gründlichen, strukturellen Reinigung. Es ist an der Zeit, Strukturen zu hinterfragen und an fixen Vorstellungen zu rütteln.

Ausstellung «Prologue: Mantras for a Club» in der Stadtgalerie Bern: bis 3. Oktober, jeweils Mi bis Fr, 14 bis 18 Uhr. Führung in Gebärdensprache: 2.9., 18 Uhr. Künstlergespräch: 16.9., 18 Uhr