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Herr Lütolf, ist das nicht Erpressung der Aktionäre?

«Ich habe zu wenig Zeit, um mich mit der Vergangenheit zu beschäftigen»: Verwaltungsratspräsident Remo Lütolf. Foto: Paolo Dutto

Herr Lütolf, an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 30. Oktober lehnen Sie die Wahl eines Vertreters des grössten Aktionärs Sentis in den Verwaltungsrat ab, weil damit Interessenkonflikte entstehen würden. Das ist doch absurd: In fast allen börsenkotierten Firmen sitzen die grossen Aktionäre im Verwaltungsrat.

Worin soll das Risiko bestehen?

Das ist doch eine Vorverurteilung. Kerekes wäre an die gesetzliche Schweigepflicht gebunden. Wenn er sie bricht, könnten Sie ihn verklagen.

Sie übertreiben.

Können Sie das beweisen? Sentis behauptet, das stimme nicht. Man habe nur Kritik an Brändle geäussert, aber nicht seinen Rücktritt gefordert.

Brändle hat angekündigt, er trete zurück, falls der Sentis-Vertreter in den Verwaltungsrat gewählt wird. Haben Sie das von ihm verlangt?

Wieso lassen Sie seine Rücktrittsandrohung zu? Das ist doch eine Erpressung der Aktionäre.

Als weiteres Argument gegen Mark Kerekes behaupten Sie, dem russischen Sentis-Eigentümer Petr Kondrashev drohten Sanktionen, weil er auf der «Putin-Liste» der US-Regierung steht. Doch die Liste ist bloss ein Auszug aus dem Magazin «Forbes» über die reichsten Russen und gibt laut US-Finanzministerium keinerlei Anzeichen über künftige Sanktionen. Also ein faules Argument.

«Es gibt keine Anhaltspunkte, dass der frühere Verwaltungsrat seine Verantwortung vernachlässigt hat.»

Remo Lütolf

Nämlich?

Die Berner Staatsanwaltschaft für die Verfolgung von Wirtschaftsdelikten hat wegen des Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung eine Untersuchung gegen unbekannt eröffnet. Sie bezeichneten diesen Verdacht als «haltlos». Wie kommen Sie darauf? Immerhin besteht in den Augen der Staatsanwaltschaft ein hinreichender Tatverdacht.

Meyer Burger selbst ist nicht beschuldigt. Wäre es da nicht angebracht, zumindest eine neutrale Haltung einzunehmen, solange die Staatsanwaltschaft den Fall prüft?

Die Strafanzeige richtet sich gegen den ehemaligen Verwaltungsrat um den Ex-Präsidenten Alexander Vogel. Er schanzte sich im Zusammenhang mit der Beteiligung an Oxford PV ein bedeutendes Aktienpaket zum Rabatt von 11 Prozent zu, während andere Aktionäre kein Bezugsrecht erhielten. Finden Sie sein Verhalten in Ordnung?

An der letzten Generalversammlung deckte Sentis auf, dass Meyer Burger der Anwaltskanzlei von Alexander Vogel, Meyerlustenberger Lachenal, zwischen 2005 und 2018 Aufträge im Wert von 8,3 Millionen Franken erteilte. Sehen Sie darin keinen Interessenkonflikt?

Wieso wollen Sie es nicht beurteilen? Sie geben damit kein Signal, dass Sie mit dem Selbstbedienungsladen Meyer Burger aufräumen.

Erhält Meyerlustenberger Lachenal immer noch Aufträge von Meyer Burger?

Sie werfen Ihrem grössten Aktionär einen Interessenkonflikt vor, distanzieren sich jedoch in keiner Weise von Ihrem Vorgänger, der gleich in zwei mutmassliche Interessenkonflikte verstrickt ist. Wieso diese auffällige Nähe? Wieso machen Sie keinen klaren Schnitt mit der Vergangenheit?

Aus welchen konkreten Schritten besteht der Schnitt mit der Vergangenheit?

Meyer Burger zahlte Gehälter und Boni in Millionenhöhe, während das Unternehmen Verluste schrieb und viele Mitarbeiter ihre Stelle verloren. Gehört zum klaren Schnitt auch Zurückhaltung bei den Managementlöhnen?