Heisse Kunst im Edel-Skiort

In St. Moritz wird die Ausstellung «Fire Etchings» von Karl Lagerfeld gezeigt. Das Herzstück bilden drei ungewöhnlich entstandene Arbeiten.

  • loading indicator
Anna Jikhareva@Anna_Jik

St. Moritz ist den meisten wohl eher als Kurort oder Wintersportplatz bekannt. Skiweltmeisterschaften und Olympische Winterspiele finden hier statt, genauso wie das bekannte Pferderennen White Turf. Dass auf circa 5000 Einwohner über 20 Kunstgalerien kommen, wissen dabei wahrscheinlich die wenigsten. Namhafte Galerien haben hier in den letzten Jahren Filialen eröffnet.

In der St. Moritzer Dependance der Zürcher Galerie Gmurzynska läuft derzeit eine etwas ungewöhnliche Ausstellung. Porträts des als exzentrisch verschrienen Modeschöpfers Karl Lagerfeld werden gezeigt, drei seiner neuesten Werke und eine Reihe Fotografien. Die älteren Porträtfotos auf handgemachtem Papier sind von 1996. Sie wurden mittels einer Honig-Gummi-Mischung nachträglich koloriert.

Erhitzte Fotos

Das Herzstück der Ausstellung bilden jedoch Lagerfelds neueste Arbeiten: Drei 3 mal 1 Meter grosse dreiteilige Porträts, sogenannte Triptychen, die den Rapper Theophilus London und die Models Freja Beha Erichsen and Aymeline Valade zeigen.

Die Technik, mit der die drei Bilder à 600'000 Franken hergestellt wurden, nennt sich «Fire Etching». Dazu wurden die Fotografien in verschieden grosse Punkte gerastert und mit 1000 Grad heissem Feuer in Glasscheiben gebrannt.

Welcher Sinn hinter der innovativen Technik steckt, wird vom Künstler selbst nicht klargestellt. Bei der Eröffnung der Ausstellung am 18. Februar von einer Journalistin gebeten, die Bilder zu erklären, antwortet Lagerfeld mit einem Voltaire-Zitat: «Alles, was eine Erklärung braucht, ist eine Erklärung nicht wert.»

Selbstinszenierung zelebrieren

Eine Erklärung liefert dafür Mathias Rastorfer, Mitbesitzer der Galerie Gmurzynska. «Es hat ihn schon immer fasziniert, die technischen Möglichkeiten auszuloten, Alt und Neu miteinander zu verbinden», so der Galerist. Er muss es wissen, schliesslich vertritt seine Galerie Lagerfeld schon seit 17 Jahren.

Vor allem die gemeinsame Liebe zur russischen Avantgarde sei das bindende Glied zwischen Galerie und Künstler, sagt Rastorfer gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Lagerfeld habe schon früh erkannt, dass bildende und angewandte Kunst gleichrangig seien, eine Erkenntnis, die in der Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts weitverbreitet war. Er sammle schon seit Jahren Kunst der russischen Avantgarde, sei immer offen für Neues und bemühe sich, kunsthistorisches Wissen durch neue Medien zu vermitteln.

Das scheint zum Wesen Lagerfelds zu passen. Nach eigenen Angaben umfasst seine Privatbibliothek 300'000 Bücher. Er hat ausserdem drei Jahre lang Kunst studiert, als er schon für Chanel gearbeitet hat, einfach so zum Spass, versteht sich.

«Mode ist für mich okay»

Man hört von Lagerfeld Aussagen wie: «Ich bin Opportunist und mag die Veränderung, deswegen ist Mode für mich o. k.» Der Designer zelebriert Mode als gleichrangig zu anderen Kunstformen zelebriert, was ihn mit den Vertretern der russischen Avantgarde verbindet, die neben bildender Kunst auch Literatur, Musik und Theater in ihr Schaffen integrierten.

Neben seiner Arbeit als Designer sieht sich Lagerfeld vor allem als Fotograf. So bezeichnet er die Werke in seiner aktuellen Ausstellung in einem Interview mit der «Zeit» dann auch «eher als Fotografie». Die Bilder seien seine Antwort auf moderne Porträtmalerei, so Lagerfeld.

Zur Frage, warum die Ausstellung in St. Moritz und nicht in der Zürcher Hauptfiliale gezeigt wird, sagte Lagerfeld gegenüber «Bild online»: «Ich komme gerne nach St. Moritz. Hier haben die Leute noch Zeit, um sich mit solchen Dingen wie Kunst zu beschäftigen.»

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt