Zum Hauptinhalt springen

Einprägsame ZahlenfolgeHandynummer von verstorbenem Swisscom-Chef ist noch aktiv

Kenner der Telecomszene zeigen sich irritiert, dass die Swisscom den Kontakt von Carsten Schloter aus Respekt vor seinem Tod nicht aus dem Verkehr gezogen hat.

Carsten Schloter (1963–2013) war von 2006 bis 2013 Chef von Swisscom.
Carsten Schloter (1963–2013) war von 2006 bis 2013 Chef von Swisscom.
Foto: Walter Bieri (Keystone)

Der Suizid des damaligen Swisscom-Chefs Carsten Schloter im Jahr 2013 schockierte die Schweiz. Die Mitarbeiter des grössten Schweizer Telecomanbieters trauerten um einen beliebten Vorgesetzten.

Umso mehr wundern sich Swisscom-Angestellte heute, dass Schloters Mobilfunknummer immer noch aktiv ist. Die Redaktion Tamedia kennt die Zahlenfolge, die einfach zu merken ist.

Branchenkenner berichten, dass viele Swisscom-Mitarbeiter den Kontakt des verstorbenen Konzernchefs als Andenken an ihn weiterhin auf ihren Smartphones gespeichert haben. Diese Insider finden, dass die Swisscom die Nummer aus Respekt gegenüber Schloter für immer hätte sperren sollen.

Offenbar hat das Unternehmen die Nummer aber neu herausgegeben. Jemand hat damit Konten der zwei Kurznachrichtendienste Whatsapp und Telegram aktiviert. Im Profilbild des Whatsapp-Kontos erscheint ein Foto eines Anwesens, das an ein sommerliches Domizil am Meer erinnert.

Unklar ist, ob ein Swisscom-Mitarbeiter oder eine externe Person Inhaber von Schloters ehemaliger Nummer ist.

Denn der staatsnahe Betrieb gibt sich bedeckt. Gern hätte die Redaktion Tamedia von der Swisscom gewusst, warum Schloters Nummer aus Pietätsgründen nicht deaktiviert wurde. «Wir machen keine Angaben zu einzelnen Nummern», sagt eine Swisscom-Sprecherin.

Swisscom vergibt Nummern im Todesfall wieder

Grundsätzlich würden Nummern im Todesfall in der Regel nach etwa zwölf Monaten wieder vergeben. «Ausser, die Angehörigen lassen sich die Nummer übertragen», so die Swisscom-Sprecherin.

Insider können sich vorstellen, dass die Swisscom die besonders einprägsame Nummer im Rahmen ihres VIP-Programms Priorité an einen Prominenten oder Politiker abgegeben oder gegen eine Gebühr verkauft hat.

Dafür infrage kommen Kunden, die sich für mehrere Jahre vertraglich an Swisscom binden und gleichzeitig einen gewissen Betrag pro Monat an Umsatz bringen. Im Gegenzug gibt es Privilegien, etwa ein Leihgerät bei einem defekten Smartphone.

Wie ein Datenleck aus dem Jahr 2013 zeigte, profitierten etwa die damalige Bundesrätin Doris Leuthard, Ikea-Gründer Ingvar Kamprad, der Musiker Udo Jürgens und der vierfache deutsche Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel von Priorité.

9 Kommentare
    Peter Sieber

    Was soll der Kappes mit den Nummern? Letzte Woche waren es Autonummern, heute Handynummern. Meine Güte, eine Nummer dient dazu da, jemanden zu erreichen, nichts mehr und nichts weniger. Wenn Swisscom-Mitarbeiter ihre Kontaktdaten nicht pflegen, dann ist das sicher kein Grund, eine Nummer zu sperren. Oder soll man jetzt jede Nummer, die mal einer bekannten Person gehört hat sperren? Mal ausrechnen, alle Bundesräte, alle Kantonsoberen, alle CEOs, alle Künstler, der Betreiber des Kioskes um die Ecke....