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Engpass bei Hygiene-MaskenHandwerker spenden Hebammen ihre Schutzanzüge

Nach einem Bericht im «Bund» erhalten die freischaffenden Hebammen des Kantons Bern Unterstützung aus dem Baugewerbe. Dennoch fehlt es immer noch an Schutzmaterial.

Auch Handwerker nutzen Schutzanzüge, etwa bei einer Asbestsanierung. Bild: Archiv.

Der Aufruf von Stephan Baumann wirkte. Der Präsident der IG Bauschadstoffe hatte die Mitglieder aufgefordert, ihre Schutzanzüge und Masken den freischaffenden Hebammen zu spenden (der «Bund» berichtete darüber). Denn die freischaffenden Hebammen gehören in der Schweiz nicht zur medizinischen Grundversorgung. Deshalb erhalten sie von den Kantonen erst Schutzmaterial für ihre Arbeit bei Schwangeren und Wöchnerinnen zu Hause, wenn wieder genügend vorhanden ist. Dies obwohl die Hebammen damit rechnen müssen, dass schon bald mit dem Coronavirus infizierte Wöchnerinnen aus den Spitälern nach Hause geschickt werden, die betreut werden müssen.

Genug, um 20 Infizierte zu betreuen

Nach dem Bericht im «Bund» seien viele Spenden von Handwerkern eingegangen, sagt die Präsidentin des Berner Hebammenverbands, Verena Piguet. Bisher hätten die freischaffenden Hebammen im Kanton etwa 10’000 Masken und 200 Schutzanzüge erhalten. «Das ist super.»

Allerdings würde das Material nicht sehr weit reichen, wenn die Welle mit voller Wucht eintrifft. Denn ein Schutzanzug kann nur einmal verwendet werden, und eine Hebamme besucht die Wöchnerin sieben bis zehn Mal. Mit dem Vorrat könnten die bernischen Hebammen also etwa 20 infizierte Frauen betreuen. Und auch die Masken reichen bei rund 8000 Geburten im Kanton Bern pro Jahr nicht sehr weit, wie Piguet sagt.

Zur Not den Schal umbinden

Immerhin verschaffen die Spenden den Hebammen etwas Luft. «Nun können wir starten», sagt Carole Lüscher, ebenfalls vom Berner Hebammenverband. Sie hofft, dass der Materialengpass in der Schweiz bald überwunden ist. Zur Not würden sich die Hebammen auch einen Schal vors Gesicht binden, sagt Lüscher. «Wer einmal in der Sonne gesehen hat, wie weit die Tröpfchen auch beim Reden fliegen, weiss, dass jede Barriere besser ist als keine.»