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MundartHäre mit de klare Gedanke!

«Mundart»-Kolumnistin Renata Burckhardt über die Bewahrung der Sehnsucht nach Kaffee in der Beiz.

MeinungRenata Burckhardt

Mängisch mache Redewändige ungereinisch Sinn. Zum Bischpiu «e klare Gedanke fasse». «Klar», heisst ja so viu wie dütlech, nid vernäblet. U ds Wort «fasse» chönnt me mit päckle, erwütsche, i d Gwalt becho ersetze. Genau. Syt Tage machen i zwar tusig Sache, gah Schritt für Schritt, chan aber ke klare Gedanke fasse. Einersyts bin ig uf ei Schlag mit Homeschooling beschäftigt – u cha das Wort scho nümm ghöre. Werum nid «Lernen zu Hause» oder «Hausschule»? Guet, ds Zwöite isch äuä z ähnlech mit Hausschuhe. Angerersyts ischs eim vor luter Nachrichte u Meinige ganz sturm. Aber das aues geit nid nume mir eso. S isch äuä normal für en Usnahmezueschtand. Ds Wäse vom Usnahmezueschtand isch ja, we eim säuber und o süsch niemer würklech weiss, me aber trotzdäm muess wytermache.

Ds Wytermache isch für vili no schwierig. Wöu me ja äbe nid weiss. Und äbe nid nume eim säuber nid, sondern o ds ganze Drumherum nid. Trotzdäm möcht me irgendöppis schaffe. Mys Schaffe isch eigentlech es durends Versueche, klari Gedanke z fasse. Natürlech muess me geng e klare Gedanke fasse, egau, was me macht. We me zum Bischpiu bym Choche ds Hirni nid rächt zämebechunnt, de macht ds Choche ke Fröid – u ds Ässe drufabe o nid. Isch me denn aber no Choch vo Bruef, chöme kener Gescht meh. E klare Gedanke fasse heisst auso, totau präsent z sy. Egau, was me grad macht, wo me grad isch. Auso ds Gägeteu vo verzettlet, vertröimt, verhürschet.

E klare Gedanke fasse heisst auso, totau präsent z sy. Egau, was me grad macht, wo me grad isch.

Verhürschet isch fürs Schrybe nid günschtig. Woby, s git natürlech Serigi, wo fürs Schrybe absichtlech dr verhürschet Zueschtand sueche. Aber Usnahmezueschtand isch Usnahmezueschtand. Für Säubschtständigi heisst Usnahmezueschtand: Uf einisch aui Jobs hopps, oder uf Ysch gleit, u me tuet in eme quasi glähmte Zueschtand mit em Chind Homeschooling mache, mit dr Frag im Chopf: Und itz? E ziemlech verhürscheti Situation! Wo im Usnahmezueschtand äuä wider normal isch, obwou ds Wort normal genau ds Gägeteu vo
Usnahm isch.

Für eini wie mi isch dä normal-verhürschet Usnahmezueschtand bis itz überschoubar; ha kener Aagschteuti, muess niemerem chünte, niemer uf Churzzytarbeit setze — usser mi säuber haut. Drum chan i säge: Myni Aagschteuti närvt. Sie schaffet wyter ohni Lohn und isch de no ufmüpfig. Wo sie nämlech letscht Sunntig isch ufgforderet worde, für e Bundesrat z klatsche, het sie gseit: «Wieso klatschen? Die von der Regierung haben gepennt und verzögert aus Angst, wirtschaftlich zu schaden; sie retten mit Milliarden, anstatt im Voraus auf eine solche Krise vorbereitet zu sein; sie haben zugelassen, dass die fetten Gewinne von grossen Firmen weiter privatisiert sind, Schulden aber nach wie vor sozialisiert auf die ganze Bevölkerung gehen. Alles ein einziges Gebastel! Und die, die nun um ihre Existenz bangen müssen, sollen noch dankbar sein, dass der Staat hilft? Während fette Firmen ihre Leute auf Kurzarbeit oder auf die Strasse stellen, damit Gewinne gesichert werden können? Keine Rücklagen gemacht? Und warum kommen die Spitäler nach 10 Tagen an ihre Grenzen? Weil auch sie mehr und mehr gewinnoptimiert wirtschaften mussten?»

Myni Aagschteut het de no gmööget: «Alles neoliberaler Mist!» Sie isch haut o hässig u mängisch panisch. I aber muess drüber nachdänke, was sie da gseit het. Cha säuber ke klare Gedanke fasse. Klar isch, mir bruuche Geduld. S isch Usnahmezueschtand. Klari Gedanke chöi mir de hoffentlech baud wider fasse.