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Geldberater: Der Marktschrei(b)erGurit dank Turbinen mit Rückenwind

Calida gibt eine gute Figur ab +++ Galenica bleibt zuverlässig +++ Belimo fühlt sich in der Nische wohl +++ Helvetia erholt sich nur langsam.

Gurit: Die Spezialistin für Verbundwerkstoffe baut ihre heute schon gute Position im Markt für erneuerbare Energien mit Expansion und neuen Technologien weiter aus.
Gurit: Die Spezialistin für Verbundwerkstoffe baut ihre heute schon gute Position im Markt für erneuerbare Energien mit Expansion und neuen Technologien weiter aus.
Foto: Dominic Steinmann/Keystone

Gurit: Kaufen

Das Rennen zu «netto null», zu einer klimaneutralen Wirtschaft, habe begonnen, heisst es. Dieser imaginäre Startschuss hat an den Börsen viel Fantasie geweckt. Die Kurse von Unternehmen, die im engeren oder weiteren Sinn mit erneuerbaren Energien zu tun ­haben, eilen seit Monaten von ­Rekord zu Rekord. Mittendrin Gurit, deren Valoren seit dem Lockdown um rund 160 Prozent avancierten. Die Spezialistin für Verbundwerkstoffe beliefert die grossen Hersteller von Windturbinen. 2021 verspricht Gutes, denn es wird ein neuer Spitzenwert für die installierte Leistung neuer Windkraftanlagen erwartet. Ich gehe davon aus, dass Gurit ihre heute schon gute Position im Markt für erneuerbare Energien mit geografischer Expansion und neuen Technologien weiter ausbauen wird. Das Unternehmen ist für Anleger eine gute Wahl, auch wenn die Börse Anzeichen von Überhitzung zeigt und es zu vorübergehenden Kurskorrekturen kommen könnte. Doch das Langstreckenrennen zu «netto null» hat eben erst begonnen. Die Europäische Union will das Ziel 2050 ­erreichen. Kaufen

Calida: Kaufen

Seit Tagen fällt mir immer wieder der Aktienkurs von Calida auf. Er ist in den letzten fünf Handels­tagen um 15 Prozent gestiegen. Da zur Wäsche- und Outdoorspezialistin keine Unternehmensnews vorliegen, kann man nur speku­lieren: Sind es Gerüchte rund um einen Verkauf der profitablen Gartenmöbelmarke Lafuma? Oder sorgen Verschiebungen im Aktionariat für eine erhöhte Nachfrage? Ich weiss es nicht, aber Titel wie Calida mit einem Börsenwert von wenigen Hundert Millionen schwanken viel eher grundlos als grössere Valoren. Spätestens am 5. März mit dem Jahresresultat für 2020 werden wir schlauer sein. Ich würde vorher einsteigen, da eine positive Überraschung gut möglich ist. Calida hat sich früher als andere Textilunternehmen auf den Onlinehandel spezialisiert und dürfte im zweiten Lockdown Marktanteile gewinnen. Krisen­resistent ist auch die Bilanz: Calida ist schuldenfrei und dadurch in einer guten Position, um im Wäschebereich eine sinnvolle Übernahme zu tätigen. Und als Zückerchen gibt es jährlich gratis ein Pyjama für Besitzer von mindestens 20 Calida-Aktien. Kaufen

Galenica: Kaufen

Galenica gibt wenig Schlagzeilen her. Jedenfalls im Vergleich zur Konkurrentin und Onlinespezialistin Zur Rose, deren Aktien sich innerhalb eines Jahres vervierfacht haben. Da hat es der grösste Betreiber stationärer Apotheken und bedeutendste Logistiker im Schweizer Medikamentenhandel schwer. Der hiesige Markt wächst bloss 2 Prozent pro Jahr. Aber nicht alle Investoren haben das nötige Nervenkostüm und Standvermögen, um auf der Kurswelle von Zur Rose zu surfen. Daher breche ich eine Lanze für Galenica. Ich kenne kaum ein anderes Unternehmen, das sich dermassen zuverlässig entwickelt. Für mich sind die Aktien eine Langfristanlage, die einem nie den Schlaf raubt. Die Strategie ist einfach und nachvollziehbar: Wachstum über dem Markt durch Akquisition von Unternehmen und Apotheken, in kleinen und verdaubaren Schritten, parallel dazu Effizienzsteigerungen. Seit dem Gang an die Börse hat Galenica Jahr für Jahr Dividende gezahlt, und ich zweifle nicht daran, dass das Unternehmen das auch in den nächsten Jahren tun wird. Eine gesicherte Rendite von 3 Prozent ist nicht schlecht in Zeiten niedriger Zinsen. Kaufen

Belimo: Halten

Belimo produziert Antriebslösungen für die Steuerung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaan­lagen. Damit bewegt sich das Unternehmen in einer Marktnische – und zwar als führender, sehr profitabler Anbieter. Diese strategische Ausrichtung gefällt mir. Das Unternehmen fühlt sich sehr wohl in seiner Nische, Diversifikationen darüber hinaus stehen nicht zur Debatte. Und Belimo macht sein Geschäft richtig gut. Obwohl es im ersten Semester von der Corona-Krise getroffen wurde, hält sich die Umsatzeinbusse für das ganze Jahr in Grenzen. Zudem überzeugt mich, dass das Unternehmen finanziell sehr gesund und robust ist. Obwohl es zur Ertragslage noch keine Aussagen machte – der vollständige Abschluss wird am 8. März publiziert –, gehe ich davon aus, dass die finanzielle Lage auch im zweiten Semester stabil geblieben ist. Allerdings ist für 2020 mit einem Gewinnrückgang zu rechnen. Im laufenden Jahr dürfte Belimo wieder auf Wachstum schalten. Einziger Nachteil: Die Titel sind sehr teuer. Das dürfte sich nach der Corona-Krise wieder normalisieren. Halten

Helvetia: Halten

Die Aktien von Helvetia sind im Keller. Per Mitte 2020 war das Unternehmen der einzige mittelgrosse kotierte Schweizer Versicherer mit einem Semesterverlust. Schlecht war das Unternehmen bei den Finanzinvestments – wegen der Entscheide des Risikomanagements –, und belastend waren Wertberichtigungen wegen des Stopps eines IT-Projekts. Hinzu kommt die gewagte Grossakquisition in Spanien, die noch 2019 kommuniziert wurde. Dort will Helvetia einen zweiten Heimmarkt zimmern, in Grösse mit dem Schweizer Geschäft vergleichbar. Der teure Ausbauschritt ist nun aber zur Hypothek geworden. Helvetia musste zur Teilfinanzierung neue Aktien herausgeben, was den Gewinn je Anteil zunächst verwässert. Die Konjunktur in Spanien ist gebremst, womit es wohl länger als erhofft dauern wird, bis von dort kräftigere Erträge in die Konzernrechnung fliessen. Mittelfristig ist einiges Potenzial möglich. Kurzfristig heisst es aber, trotz im Branchenvergleich niedrigem Aktienkurs, vorsichtig zu bleiben. Halten

Diese Kolumne wird von den Redaktorinnen und Redaktoren der «Finanz und Wirtschaft» verfasst. Sie haben sich verpflichtet, nicht in den entsprechenden Titeln aktiv zu sein. Wer die Tipps dieser Kolumne umsetzt, tut das auf eigenes Risiko. Die SonntagsZeitung übernimmt keine Verantwortung.