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Radikalumbau bei der Grossbank Gottstein plant neue Sparrunde bei Credit Suisse

Um die Gewinnziele zu erreichen, will der CS-Chef die Bank verschlanken. In der Schweiz soll das Filialnetz ausgedünnt werden. Zudem könnten die Bereiche Risk und Compliance fusioniert werden: Das alles kostet Jobs.

Räumt mit dem Erbe seines Vorgängers Tidjane Thiam auf: Thomas Gottstein, der seit Februar an der Spitze der zweitgrössten Bank der Schweiz steht.
Räumt mit dem Erbe seines Vorgängers Tidjane Thiam auf: Thomas Gottstein, der seit Februar an der Spitze der zweitgrössten Bank der Schweiz steht.
Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein war am Donnerstag Stargast beim SRF-«Donnschtig-Jass». Mitzocken durfte der Topbanker zwar nicht, dafür aber beim Minigolf antreten. 72 Prozent der Zuschauer wetteten darauf, dass der Spitzengolfer Gottstein die Moderatorin Fabienne Bamert schlägt.

Im Wirtschaftsleben geniessen Gottstein und die von ihm geführte Credit Suisse nicht so viel Vertrauen. Die Aktie hat dieses Jahr ein Viertel ihres Werts verloren, UBS dagegen nur knapp 9 Prozent.

Die Märkte glauben nicht, dass Gottstein das Ziel schaffen wird, eine Eigenkapitalrendite von 10 Prozent zu erreichen. Die Rechnung dazu ist einfach: Bei einem Eigenkapital von rund 40 Milliarden Franken muss Credit Suisse jedes Quartal 1 Milliarde Gewinn einfahren. Für das zweite Quartal erwarten Analysten aber gerade mal 723 Millionen Franken. Der Gewinn könnte indes besser als erwartet ausfallen, weil die Grossbank einige Risiken losgeworden ist. So ist bekannt, dass sie einen Grosskredit für die Übernahme des Casinobetreibers Caesars durch den Wettbewerber Eldorado Resorts refinanzieren konnte.

Seit Wochen brodelt es in der Gerüchteküche

Dennoch muss Gottstein handeln. Seit Wochen brodelt die Gerüchteküche – von «Bloomberg» bis «Inside Paradeplatz». Beschlossen ist noch nichts, betonen Personen mit Kenntnissen der Vorgänge, doch die SonntagsZeitung hat Skizzen verschiedener Sparinitiativen in Erfahrung bringen können, die am Ende Hunderte Jobs kosten dürften.

Auch die Schweiz ist betroffen: So soll das Netz der Geschäftsstellen weitergestrafft werden. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass Credit Suisse in der Schweiz keine 120 Geschäftsstellen mehr unterhalten muss. Das hat Gottstein bereits im Mai in der NZZ angedeutet: «Das Onlinebanking hat Schub erhalten – beispielsweise im Zahlungsverkehr. Die Bedeutung und damit auch die Zahl der Filialen werden deshalb weiterabnehmen», hatte er erklärt.

Derzeit sind von den 120 Geschäftsstellen nur 100 offen. Auf die Frage, auf wie viele Filialen und Jobs der dort rund 1200 tätigen Kundenberater die Bank verzichten will, verweist Credit Suisse nur auf die Aussagen von Gottstein im Mai.

Zu viele Chefs in den Abteilungen für Risk und Compliance

Laut Insidern prüft Credit Suisse ferner die Zusammenlegung der Bereiche Risk und Compliance. Auch hier ist das Ziel, Kosten und damit Arbeitsplätze zu sparen. Im Nachgang zur Finanzkrise 2008 baute die Grossbank hier massiv aus. Die Kosten sind von damals 700 Millionen auf zuletzt 1,3 Milliarden Franken pro Jahr explodiert.

Jetzt gibt es eine Reihe Doppelspurigkeiten. So hat jede der fünf Divisionen jeweils eigene Chefs für die Bereiche Risk und Compliance. Ferner haben auch die Rechtseinheiten wie die Londoner Tochter je eigene Risk- und Compliance-Verantwortliche. Und entsprechende Mitarbeiterstäbe.

Dieser riesige Apparat konnte indes nicht verhindern, dass Credit Suisse in jüngster Zeit in einige Skandale geriet: So brachte die Bank den chinesischen Starbucks-Konkurrenten Luckin Coffee an die Börse. Später stellte sich heraus, dass dieser seine Geschäftszahlen frisiert hatte. Und im vergangenen Frühling hatte Credit Suisse dem mittlerweile insolventen Zahlungsabwickler Wirecard geholfen, 900 Millionen Euro frisches Kapital aufzunehmen.

Investmentbank soll wieder zusammengelegt werden

Eine weitere Sparpiste betrifft die Struktur der Bank: Gottstein prüft, ob er die von seinem Vorgänger Tidjane Thiam eingeführte Aufteilung des Investmentbankings in zwei Divisionen wieder zurückdreht. Thiam hatte das Geschäft mit Aktien- und Anleihe-Handel in die Division Global Markets gepackt, die Beratung für Fusionen und Übernahmen sowie für komplexe Finanzierungen in die zweite Division Investment Banking & Capital Markets.

Damit wollte Thiam die guten Zahlen der letztgenannten Sparte hervorheben und vom darbenden Handelsgeschäft ablenken. Mittlerweile hat der Wind gedreht, und die Sparte Investment Banking & Capital Markets schreibt seit einigen Quartalen Verluste.

Die Fusion des Investmentbankings wird ebenfalls Kostensenkungen durch Personalabbau ermöglichen. Die Zusammenlegung der Bereiche Risk und Compliance würde kostenmässig aber deutlich mehr bringen, heisst es intern.

Credit Suisse dementiert die Überlegungen nicht: «Wir prüfen regelmässig Möglichkeiten, wie wir unsere Kunden noch besser beraten und unsere strategischen Ziele regelkonform und profitabel erreichen können», erklärt die Bank.

Am 30. Juli legt die Grossbank ihre Zahlen für das zweite Quartal vor. Es sei indes nicht zu erwarten, dass es in Sachen Sparüberlegungen an diesem Tag eine «Big Bang»-Ankündigung geben werde, so ein Gesprächspartner. Denn die drei oben genannten Sparüberlegungen hätten unterschiedliche Zeithorizonte.

Beim Minigolf im «Donnschtig Jass» kam Gottstein nicht über ein Unentschieden hinaus. Bleibt zu hoffen, dass er mit der neuen Sparrunde mehr Punkte macht.