Goethe, Shakespeare und von Schirach schlagen jede Dramatikerin

Lieblingsstück ist «Faust», Lieblingsautor William Shakespeare. Die neue Auswertung der deutschsprachigen Theaterszene zeigt: Frauen schaffen es kaum in die Top Ten.

Dieser «Faust» – 2019 das meistinszenierte Stück – ist wahnsinnig jung: Leonie Böhms Fassung «Yung Faust» kam im Januar in München zur Premiere. Foto: Julian Baumann

Dieser «Faust» – 2019 das meistinszenierte Stück – ist wahnsinnig jung: Leonie Böhms Fassung «Yung Faust» kam im Januar in München zur Premiere. Foto: Julian Baumann

Alexandra Kedves@tagesanzeiger

And the winner is ...«Faust». Das Stück von Goethe war in der Saison 2017/2018 das meistgespielte überhaupt an den 464 Theatern in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die für die Statistik des deutschen Bühnenvereins ausgewertet wurden: Das Votum wurde sozusagen von 27'500'000 Zuschauern gefällt. Der Klassiker über das unstillbare Streben des Menschen – Mannes – verdrängt mit 25 Premieren ein zeitgenössisches Drama von Platz 1: Ferdinand von Schirachs «Terror» (23).

Als Gegenwartsautor hat von Schirach mit «Terror» allerdings weiterhin die Nase vorn. Wolfgang Herrndorfs «Tschick» in der Theaterfassung von Robert Koall kam auf 20 Inszenierungen.

Shakespeare bleibt der Überflieger

Schlüsselt man die meistgespielten Stücke aber nach Autoren auf, gibts einen Topshot, der in allen Kategorien – Inszenierungs-, Aufführungs- und Zuschauerzahl – mit grossem Abstand führt: William Shakespeare. Platz 2 belegt bei den Inszenierungen Bertolt Brecht, bei den Aufführungen Friedrich Schiller; auf Platz 3 tauschen die beiden die Kategorien.

Frauen finden sich in den Top Ten der Meistgespielten nur zwei. Bei den Inszenierungszahlen hat Sarah Nemitz Platz 6 inne und Elfriede Jelinek Platz 8, gleichauf mit Heinrich von Kleist. Bei den Aufführungszahlen schafft es nur die Nemitz unter die Top Ten (Nr. 5); sie ist oft Co-Autorin bei Stücken ihres Mannes Lutz Hübner. Und bei den Zuschauerzahlen ist gar keine Frau vertreten!

Mangel an Geschlechtergerechtigkeit

In der Oper ist Giuseppe Verdi Spitzenreiter vor W. A. Mozart und Richard Wagner. Insgesamt kamen 321 Komponisten und Komponistinnen zur Aufführung, davon nur 18 Frauen. Beim Schauspiel machen die Dramatikerinnen immerhin 23 Prozent aus.

Der Geschäftsführende Direktor des Bühnenvereins konstatiert, es sei noch ein weiter Weg, «bis gesellschaftliche Veränderungen in den Spielplänen der Theater auftauchen: Das gilt sowohl für die Geschlechtergerechtigkeit wie fürs Zugehen der Theater auf neue Publikumsschichten. Eine Weiterentwicklung der Theaterspielpläne wird unumgänglich sein.»

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