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FernunterrichtGeschlossene Schulen: Nun bitte keine Panik!

Die Corona-Krise fordert die Volksschule. Schon jetzt von einem verlorenen Schuljahr zu sprechen, hilft aber niemandem.

MeinungChristoph Aebischer
Die Schulen bereiten sich auf Fernunterricht vor.
PD

Rund 100’000 Schülerinnen und Schüler im Kanton Bern lernen derzeit daheim. So etwas haben selbst deren Grosseltern nie erlebt. Diese Ausnahmesituation verunsichert.

Immerhin geschieht der Shutdown in einer Zeit, in der auch jüngere Kinder schon einigermassen mit Handy oder Laptop umgehen können. Ohne diese digitale Unterstützung mit all ihren Möglichkeiten würde der Fernunterricht zum Albtraum; zuerst für Eltern und Kinder und dann für die Lehrpersonen.

Trotz diesem Vorteil lässt sich aber schon voraussagen, dass nicht alle Schüler diese Phase gleich gut überstehen werden. Bei jüngeren und bildungsfernen wird sie tiefere Spuren hinterlassen als bei älteren und bildungsnahen.

Jetzt schon von einem verlorenen Schuljahr zu sprechen, wie dies die oberste Schulleiterin im Kanton Zürich tat, ist aber viel zu früh. Die meisten Kinder haben eben die ersten Aufgaben erhalten. 13’000 Lehrerinnen und Lehrer haben dazu Einkaufstaschen mit Unterrichtsmaterial zusammengestellt, Internetseiten kreiert und Chats aufgebaut. Angesichts des kalten Starts eine enorme Leistung.

Je länger die Türen der Klassenzimmer zu sind, desto besser wird sich die Kommunikation zwischen Lehrpersonen, Kindern und Eltern nun einspielen. Aber – und das ist ebenso sicher – desto stärker wird sich auch die Schere öffnen zwischen guten und schwächeren Schülern. Absehbar ist darum, dass es für etliche besser sein wird, das Schuljahr zu wiederholen – soll die Corona-Krise nicht ausgerechnet die Chancen der Benachteiligten verschlechtern.

Für die meisten hingegen wird der Anschluss mit einem Zusatzeffort möglich sein. Dies beweisen all jene, die nach einem Umzug die markanten Unterschiede zwischen den Leistungsniveaus von Klasse zu Klasse oder von Kanton zu Kanton innerhalb weniger Monate aufarbeiten. Allerdings – und das ist wichtig – braucht es dazu das Bewusstsein, dass die Ausnahmezeit mit dem Fernunterricht nicht zu Ende geht.