Geschenke unter Schwergewichten

Der SC Bern führt im Hallenstadion 2:0, unterliegt aber den formstarken ZSC Lions nach Verlängerung 2:3.

Marcus Krüger bezwingt Pascal Caminada.

Marcus Krüger bezwingt Pascal Caminada.

(Bild: Andy Müller (Freshfocus))

Reto Kirchhofer@rek_81

Da ist sein Leistungsausweis – er hat Schweden zweimal zum Weltmeistertitel geführt. Da ist sein Charakter – unnachgiebig, konsequent, oder in den Worten von ZSC-Sportchef Sven Leuenberger: ein richtiger Chef. Und da ist seine Erscheinung: wuchtiger Bart, breite Schultern. So einem Typen wie Rikard Grönborg darf also guten Gewissens zugetraut werden, einen taumelnden Riesen wie die ZSC Lions zu stabilisieren. Und das ist Grönborg fürs Erste gelungen. Die Zürcher führen die National League mit 22 Punkten aus 11 Partien an.

Dass sie durchaus über ein furchteinflössendes respektive beeindruckendes Kader verfügen, zeigte sich im Match gegen den SC Bern. In der vierten ZSC-Linie spielten zwei Akteure mit WM-Erfahrung (Reto Schäppi, Chris Baltisberger). Beim SCB bildeten Daniele Grassi, Youngster Jeremi Gerber und Alain Berger in ungewohnter Rolle als Center den vierten Sturm.

Zugegeben: Der Vergleich ist holprig wie das Terrain beim Radklassiker Paris–Roubaix. Erstens fehlten den Bernern mit Tristan Scherwey, Matthias Bieber und Marc Kämpf drei Angreifer. Zweitens garantiert individuelle Klasse keinen Erfolg.

Das wissen sie in Bern und in Zürich, wobei die Erinnerung in Zürich um einiges frischer ist. Prompt erzielte der erwähnte Grassi sein erstes Saisontor. Es hätte das entscheidende sein können. Am Ende aber feierten die Zürcher den 3:2-Erfolg nach Verlängerung.

Caminada hält lange dicht

Selbstverständlich ist auch der SCB ein Schwergewicht im hiesigen Eishockey. In der letzten Saison entschied die Equipe von Kari Jalonen sämtliche sechs Vergleiche für sich. Gestern aber hatte sie dem ZSC zu Beginn wenig entgegenzusetzen. Das Heimteam dominierte, Bern kam kaum aus der Zone.

Mitten im Puckregen stand Pascal Caminada und musste kühlen Kopf bewahren. Der 32 Jahre alte Goalie kam zum dritten Mal in dieser Meisterschaft von Beginn weg zum Einsatz. Niklas Schlegel erlebte das Wiedersehen mit seinem Stammclub von der Bande aus; er dürfte am Dienstag in der Champions Hockey League gegen Grenoble wieder zum Einsatz kommen.

Caminada machte seine Sache tipptopp, er hielt dicht und die schwimmenden Berner im Spiel. Dank Jan Mursak ging der Gast im Powerplay gar in Führung. Und plötzlich hatte er die Partie unter Kontrolle. Eric Blum und Gerber setzten Fredrik Pettersson unter Druck, der Schwede verlor die Scheibe, Grassi profitierte. Später verpasste Grégory Sciaroni das 3:0. Stattdessen verkürzte Simon Bodenmann.

Der «falsche» Krüger

Nach Petterssons Schnitzer zeigten sich auch die Berner in Geberlaune: Andrew Ebbett verlor die Scheibe hinter dem eigenen Tor an Garrett Roe, die Verteidiger Ramon Untersander und Yanik Burren liefen zum ZSC-Topskorer, vor Caminada war der freistehende Flügel Roman Wick so frei – 2:2.

Die Entscheidung fiel in der Verlängerung. Simon Moser traf als fünfter Spieler an diesem Nachmittag die Torumrandung. In letzter Minute verlor Untersander den Zweikampf gegen Patrick Geering, Mark Arcobello hatte sich nach vorne orientiert, und so durfte Marcus Krüger in aller Ruhe die Partie entscheiden.

Der Schwede, immerhin seit elf Jahren Profi, sagte: «So viel Zeit und Platz, ein Tor zu schiessen, habe ich in meiner Karriere noch nie erhalten.» Aus Berner Optik wurde der «falsche» Krüger beschenkt, feierte doch SCB-Verteidiger Justin Krueger gestern seinen 33. Geburtstag.

Mit sechs Punkten aus drei Begegnungen fällt die Wochenbilanz für den Meister zufriedenstellend aus. Eric Blum sagte: «In spielerischer Hinsicht haben wir uns gesteigert, die Leistung war okay. Das ist es, was zählt. Die Rangliste ist bei der grossen Differenz an gespielten Partien zurzeit nicht zum Anschauen.» Wer es trotzdem tut: Der Meister liegt auf Rang acht.


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