Geleakte BWL-Prüfung wird nicht wiederholt

Die Ergebnisse sind nahezu identisch wie im Vorjahr, obwohl viele Studenten aufgrund einer Panne einen Teil der Prüfungsantworten kannten. Die Uni belässt es dabei.

Die Wirtschafts-Jungstudenten können aufatmen: Lichthof der Uni Zürich.

Die Wirtschafts-Jungstudenten können aufatmen: Lichthof der Uni Zürich.

(Bild: Raisa Durandi)

Die BWL-2-Prüfung an der Uni Zürich sorgte vor gut zwei Wochen für rote Köpfe bei den 900 betroffenen Studenten. Teile der Prüfung waren bereits im voraus online auf einer Plattform erschienen. Die Uni Zürich versuchte damals zu beschwichtigen: Es handle sich nicht um deckungsgleiche Prüfungen. Die Hälfte der Fragen sei im Vergleich zum Vorjahr neu oder angepasst worden.

In einem Mail an die Studenten schrieb die Studienleitung gestern Donnerstag, dass die Prüfung nicht wiederholt werde. Statistische Auswertungen hätten gezeigt, dass es bei der Leistung keine Unterschiede zur Prüfung im Vorjahr gebe. «Der Notenschnitt ist mit 4,37 (2017: 4,38) praktisch identisch. Die Durchfallquote liegt mit 24,9 Prozent (2017: 28,1 Prozent) leicht niedriger», sagt Uni-Sprecher Beat Müller. Auch beim Vergleich von einzelnen Fragen habe man keine Auffälligkeiten beobachtet.

Prüfung soll weiterhin Basiswissen testen

«Die Studenten, die die vorjährige Prüfung kannten, konnten also nicht gross davon profitieren», bilanziert Müller. Wie der Prüfungsbogen ins Internet gelangte, sei noch nicht geklärt. Man prüfe, wie man weiter vorgehen und ob man rechtliche Schritte einleiten wolle. Vergangene Woche verurteilte man die Veröffentlichung als klaren Regelverstoss.

Wie die BWL-Prüfung im kommenden Jahr aussehen wird, ist noch offen: «Das müssen wir noch klären. Ziel muss jedoch bleiben, dass die Prüfung Basiswissen testet und mit den Vorjahren vergleichbar bleibt.»

«Entscheid ist sehr fragwürdig»

Dass die Prüfung nicht wiederholt wird, ist eine gute Nachricht für die Studenten, die nicht nochmals antreten müssen. Der Fachverein Oekonomie ist mit dem Vorgehen einverstanden.

Camille Lothe, Präsidentin der Jungen SVP des Kantons Zürich, hat die Prüfung ebenfalls absolviert und forderte eine Wiederholung, als das Leak bekannt wurde. «Ich bin erstaunt und finde den Entscheid der Uni sehr fragwürdig», sagt sie. Man berufe sich auf Statistiken und wisse gar nicht, wie viele Personen vom Leak profitierten.

Uni soll Prüfungen veröffentlichen

Offensichtlich habe das Leak sowie die Entwendung der Prüfung nun auch keine Konsequenzen. «Mit diesem Präzedenzfall gibt man grünes Licht, dass man auch künftig ohne Bedenken Prüfungen entwenden und mit anderen Studenten teilen kann», so Lothe. Aus ihrer Sicht wäre es das Beste, wenn die Uni von sich aus alte Prüfungen veröffentlichen würde. «So können sich alle vorbereiten und davon profitieren.»

(Übernommen von «20 Minuten», bearbeitet von DerBund.ch/Newsnet)

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