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GastkommentarGefahren des Geldsozialismus

Eine galoppierende Inflation könnte die Folge der Corona-Krise sein. Das Risiko steigt mit jedem neuen Entscheid der Notenbanken.

150 Millionen Mark in 5000-Mark-Scheinen im Waschkorb: Die Folgen der Hyperinflation im Deutschland der 1920er-Jahre waren verheerend.
150 Millionen Mark in 5000-Mark-Scheinen im Waschkorb: Die Folgen der Hyperinflation im Deutschland der 1920er-Jahre waren verheerend.
Foto: Keystone

«Whatever it takes», lautet die Devise der Notenbanken, die sich mit unbegrenzter Geldvermehrung als Retter in der Corona-Not aufzuspielen versuchen. Dabei waren es sie, die in den letzten Jahren die Grundlage für den explosiven Cocktail in Form der Blasenökonomie geschaffen haben, mit dem sich die Welt heute konfrontiert sieht.

Indem sie auch in wirtschaftlich guten Zeiten problematische Tiefst- und Negativzinsen verordnet haben, rissen sie die Wirtschaftsstruktur aus den Fugen und erhielten marode Unternehmen als «Zombies» am Leben, die schon längst innovativeren Playern hätten weichen müssen. Damit wurden zunehmend Ressourcen für unproduktive Zwecke verschwendet und Investitionen angeregt, die sich als fehlgeleitet herausstellen und eine Wirtschaftskrise zur Folge haben werden.

Die Marktwirtschaft als Krisenursache heranzuziehen, ist unredlich.

Aufgrund dieser planwirtschaftlichen Geldpolitik kann das heutige Konstrukt längst nicht mehr als «Kapitalismus» bezeichnet werden, zumal man darunter dasjenige System versteht, in dem sich die Preise unter den Bedingungen von Vertragsfreiheit und Privateigentum im Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage frei bilden.

Die Marktwirtschaft als Krisenursache heranzuziehen, ist daher unredlich. Vielmehr haben wir die Errichtung eines fragilen Kartenhauses, das bei jedem Windstoss einzustürzen droht, einer Art «Geldsozialismus» zu verdanken, wie der Ökonom Roland Baader es bezeichnet hatte.

Wie könnte es nun weitergehen? Im Prinzip sind zwei Szenarien denkbar. Im ersten schlittern wir analog zu Japan, das schon etwa 15 Jahre früher eine Tiefstzinspolitik implementiert hatte, um eine rasche Inflation herum. Einer der Gründe für die ausbleibende galoppierende Inflation dürfte die bereits hohe private Verschuldung im Land der aufgehenden Sonne sein, die das Potenzial der Kreditgeldvermehrung reduziert. Dennoch schmälert eine solche Geldpolitik schleichend die Lebensstandards: Seit 20 Jahren fallen in Japan die Löhne, und der Anteil prekärer Teilzeit- bzw. befristeter Beschäftigungsverhältnisse steigt.

Die Zeit ist reif, über marktwirtschaftliche Alternativen nachzudenken.

Die Eintrittswahrscheinlichkeit des zweiten Szenarios – eine galoppierende Inflation – steigt, je länger die globalen Wertschöpfungsketten unterbrochen bleiben. Wenn nun unter neuen protektionistischen Vorwänden eine Entglobalisierungswelle und damit weniger billige Importe drohen, hilft das ebenfalls wenig. Der Rückbau der internationalen Arbeitsteilung würde die Lebensstandards absenken.

Das bedeutet: Eine explodierende Geldmenge würde auf ein schrumpfendes Güterangebot und eine geringere Nachfrage treffen. Die Risiken einer Inflation steigen, die in den letzten Jahren nur die Vermögensgüter wie Aktien und Immobilien betroffen hat, jedoch noch nicht die Konsumgüter. Ob die gesunkenen Ölpreise, die eine grosse Rolle bei den Produktionskosten spielen, hier für genügend Entlastung sorgen können, wird sich weisen.

Der Geldsozialismus ist nicht alternativlos.

Auch wenn eine Inflation den überschuldeten Staaten zur Entwertung ihrer Schulden gerade recht käme und die Notenbank Grossbritanniens gerade damit begonnen hat, den Staat direkt zu finanzieren, wäre dies für die Bürger ein Horrorszenario, wie ein historischer Blick in die Weimarer Republik zeigt. Ein Kilo Brot kostete in Berlin im Mai 1923 noch 474 Mark, ein halbes Jahr später bereits über 5 Milliarden Mark. Letztlich kollabierte die Währung, was enormes Chaos und Leid anrichtete und die Erde für totalitäre Ideologien und Demagogen bereitete.

Der Geldsozialismus ist nicht alternativlos. Die Zeit ist reif, über marktwirtschaftliche Alternativen nachzudenken. Im Gegensatz zum internationalen Kartell der staatsmonopolistischen Zentralbanken wäre es in einem freien Geldwettbewerb kaum vorstellbar, dass sich stark entwertende Zahlungsmittel durchsetzen, zumal sich die Anbieter im Ringen um Kundschaft gegenseitig disziplinieren und die Menschen frei wären, die ihnen besterscheinende Währung zu wählen.