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Sendung auf SRFGebühren fürs Gamen? Gern!

SRF platziert eine Spielshow mitten ins Abendprogramm – wegen Corona. Das ist viel besser als Champions League.

Einmal Rücken kratzen bitte: Komiker Yanar kommt Fensterputzern in die Quere. Links SRF-Mann Berger.
Einmal Rücken kratzen bitte: Komiker Yanar kommt Fensterputzern in die Quere. Links SRF-Mann Berger.
SRF Digital/Youtube

Da ist sie ja doch noch, die viel behauptete Entschleunigung im Shutdown: Kaya Yanar spielt «Marvel’s Spider-Man». Als er erstmals beschossen wird, erklärt ihm SRF-Digitalexperte Guido Berger: «Das waren Leute, die dich aus irgendeinem Grund angegriffen haben.»

Dann nerden die zwei los, dass es eine Freude ist. Mal geht es um ComicsBerger meint: «Es gibt eine Sicht vor ‘Watchmen’ und eine Sicht nach ‘Watchmen’» –, mal um die Synchronisation des Spiels «Resident Evil 7».

Einmal läuft Yanar an Masken des japanischen No-Theaters vorbei, also reden die beiden übers japanische No-Theater. Beiläufig zapft Berger per Handy das Weltwissen an, wie man es an einem gemütlichen, aber gar nicht dummen Zockerabend eben so tut.

Klettern und witzeln

Zeitdruck gibts in dieser Sendung nicht, ein finales Ziel auch nichtfreier Strom des Bewusstseins. Kaya Yanar räumt etwas auf in New York, erledigt ein paar Jobs und Bösewichter.

Und weil Humor nun mal die Bewältigung der Widerstände des Lebens mit anderen Mitteln ist, witzelt sich Komiker Yanar von einer Kletterpartie zur nächsten. Selbstverständlich treibt er Schabernack, kleidet seine Figur in lächerliche Kostüme oder behelligt redliche Scheibenputzer bei ihrer Arbeit.

Was für ein Spass! Als smarter Witzbold mit flinken Fingern ist Yanar prädestiniert fürs Let’s Play-Genre. Tatsächlich hat er sich auf dem Portal Twitch bereits eine Gefolgschaft erspielt.

Zurück in die Nische

Bergers Show war wegen Corona ins TV-Abendprogramm gehievt worden, um den Ausfall der Sportsendungen zu kompensieren. Die Sendung mit Yanar war die vierte und letzte auf dem Topplatz. Nun gehts wieder zurück in die Nische.

Schade. Jetzt wäre der Moment, sich zum Beispiel der superteuren, aber längst übernutzten und langweilig gewordenen Champions League zu entledigen.

Denn der globalisierte Topfussball strebt ja ohnehin seiner Virtualisierung entgegen: VAR hat den Schiedsrichter entmachtet. Das TV-Bild wird digital ergänzt, etwa mit der Kreismarkierung des Ball habenden Spielers, wie man sie aus den Games kennt. Und ein Cristiano Ronaldo ist längst zur hyperrealistischen Playstationfigur geworden.

Statt halbrealer Fussballmachtes könnten E-Sportler die Spiele gleich virtuell zocken. Resultat: Gebührengelder gespart, digitale Avantgarde unter den TV-Sendern geworden. Einverstanden?

Hier gehts zum Youtube-Kanal mit den «Let’s Play»-Sendungen von SRF.