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Ist Petkovic noch der Richtige? Aber klar doch!

Die Nati ist zurück in der Schweiz. Zeit, die Coach-Frage zu stellen. 9 Gründe für ein Ja.

Daumen hoch: Petkovic ist der richtige Nationaltrainer für die Schweiz. Bild: Keystone
Daumen hoch: Petkovic ist der richtige Nationaltrainer für die Schweiz. Bild: Keystone

Am Dienstag verabschiedet sich die Schweiz von der WM. Knapp 48 Stunden nach dem Spielende in St. Petersburg landet der Nationalteam-Tross am Donnerstag in Zürich-Kloten.

Die Art der Achtelfinal-Niederlage gegen Schweden hat zu ausführlicher Kritik an Spielern geführt. Aber auch an Trainer Vladimir Petkovic, der es nicht verstanden hat, in seinem Team Feuer und Leidenschaft zu entfachen. Es sei sein Fehler gewesen, dass er die Emotionen nicht habe schüren können, sagte der 54-Jährige selbst. Es ist ein bemerkenswertes Schuldeingeständnis des Trainers. Und kombiniert mit der Leistung gegen Schweden fragen sich viele: Ist er noch der richtige Nationaltrainer für die Schweiz?

Neun Gründe für ein Ja

Die Antwort ist: Ja.

Ja, die Schweiz hat gegen Schweden enttäuscht. Und sie hat eine riesige Chance verpasst, gegen einen auf dem Papier relativ einfachen Gegner erstmals seit der Heim-WM 1954 wieder einen Viertelfinal an einem grossen Turnier zu erreichen (damals war es aber einfacher, weil gleich nach der Gruppenphase der Viertelfinal wartete).

Es gibt einige Kritikpunkte vorzubringen, was Petkovics Arbeit angeht. Seine Kommunikation gegen aussen ist schwach. Dass er einen Tag nach dem WM-Out nicht mehr auftritt, spricht nicht für ihn, aber auch nicht für seine Chefs, die ihm gar keine Wahl hätten lassen dürfen. Wie wenig der Trainer auf die Super League gibt und damit auch Spielern aus der Schweizer Liga fast konsequent keine Chance gibt, irritiert. Die Bilanz an den letzten zwei Turnieren mit nur zwei Siegen in acht Spielen ist nicht heldenhaft gut.

Die Schweiz gewann in der Gruppenphase, als es entscheidend war

Es ist aber aus mehreren Gründen falsch, Petkovics Arbeit nun aufgrund einer Momentaufnahme im WM-Achtelfinal zu beurteilen.

Erstens: Die Turnierbilanz von Frankreich 2016 und Russland 2018 lässt sich auch positiver lesen. Die Schweiz verlor bis zum Achtelfinal in beiden Ländern kein Spiel. Sie gewann in der Gruppenphase, wann es entscheidend war (gegen Albanien 2016 und Serbien 2018). Sie spielte gegen Turnierfavoriten unentschieden.

Zweitens: Es ist noch nicht lange her, da hat die Schweiz ihre Nationalmannschaft für das 1:1 gegen Brasilien gefeiert. Und Petkovic für die spielerische Entwicklung, die er im Nationalteam ausgelöst hat.

Drittens: Die Schweden waren nur auf dem Papier nicht so stark. Sie haben in der Qualifikation eine Gruppe mit Frankreich und Holland überstanden, in der Barrage Italien eliminiert und in der WM-Gruppenphase die Deutschen – sie sind sehr unangenehm zu spielen.

Viertens: Wenn die Schweiz wie gegen Schweden das Spiel machen muss, tut sie sich schwerer als gegen Mannschaften wie Brasilien, Serbien oder Argentinien. Das war auch schon unter den Nationaltrainern Köbi Kuhn und Ottmar Hitzfeld so.

Auf dem Platz standen die Spieler

Fünftens: Auf dem Platz standen die Spieler, nicht Petkovic. Dass Leistungsträger wie Xhaka oder Shaqiri im Schweden-Match und vielen anderen WM-Momenten weit weg von ihrer Bestform waren, ist höchstens teilweise ein Trainerproblem – wenn überhaupt.

Sechstens: Die Schweiz hat seit dem Rücktritt von Alex Frei keinen Offensivspieler mehr, der mit hoher Quote ins Tor trifft. Darunter litt Welt-Trainer Hitzfeld, darunter leidet Petkovic, darunter leidet das Nationalteam, darunter leidet die Schweiz.

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Schweizer WM-Moment des Glücks

So schiesst Shaqiri die Schweiz zum Sieg über Serbien. Video: SRF

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Siebtens: Wer war alles nicht dabei bei dieser WM? Und wer ist vor der Schweiz nach Hause gereist? Es ist für das 8,5-Millionen-Einwohner-Land schon ein Erfolg, überhaupt bei diesem Turnier dabei zu sein. Das geht aufgrund der Erfolge mit den Turnierteilnahmen 2004, 2006, 2008, 2010, 2014, 2016 und 2018 zu schnell vergessen.

Die Verantwortlichen sind von Petkovics Weg überzeugt

Achtens: Die Schweiz mag in den vergangenen beiden grossen Qualifikationen auch gegen Mannschaften wie Andorra, Färöer, Andorra, Litauen und San Marino angetreten sein. Wer aber mit der Schweiz von 44 Spielen 26 gewinnt, kann nicht so viel falsch gemacht haben.

Und neuntens: Der Verband hat mit dem Trainer Ende 2017 den Vertrag vorzeitig bis nach der EM 2020 verlängert. Die Verantwortlichen lassen keinen Zweifel daran, dass sie von Petkovics Weg überzeugt sind. Nur sie und die Spieler wissen, wie der Trainer im Innern auftritt.

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Video: Expats in der Schweiz über Fussball-Euphorie

Torjubel, Nationalhymne, Fussballkommentatoren: Wie Expats die Fussball-Stimmung in der Schweiz im Gegensatz zu ihrem eigenen Land empfinden. Video: Tamedia/Lea Koch und Anthony Ackermann

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