Und vielleicht können es die Franzosen sogar noch besser

Frankreich ist der logische Weltmeister. Weil das Team unglaublich talentiert ist. Und weil sein Spielstil den Geist dieser WM spiegelt.

Party im strömenden Regen: Die Franzosen jubeln mit dem WM-Pokal. Video: Tamedia/SDA
Video: Keystone

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Es gibt keinen logischeren Weltmeister als Frankreich. Die Franzosen schockten schon vor der WM mit der Qualität ihres Aufgebots: Benzema (Real), Lacazette (Arsenal), Martial (Manchester United), Rabiot (PSG), Sissoko (Tottenham), Laporte (Man City). Und das waren ja nur jene Stars, die Nationaltrainer Didier Deschamps nicht aufgeboten hatte.

Das Reservoir, aus dem das französische Nationalteam schöpfen kann, scheint fast unbegrenzt. Und welch einen wunderbaren Fussball könnte man sich mit all diesen talentierten, explosiven, fantasievollen Spielern vorstellen! Aber genau das tut Deschamps nicht. Der immer etwas griesgrämig wirkende Séléctionneur stellt so auf, wie er früher im defensiven Mittelfeld des Weltmeisterteams 1998 gewirkt hat: sachlich, nüchtern, immer mit dem Blick für die defensive Organisation.

Er hat darum einen Olivier Giroud im Sturmzentrum, der nun tatsächlich Weltmeister ist, ohne dass er im ganzen Turnier auch nur einen einzigen Schuss aufs Tor abgegeben hätte.

Deschamps hat eine geschlossene Mannschaft gebaut, die wie die Faust aufs Auge zu dieser Weltmeisterschaft passt. Zwar immer mit der Möglichkeit, ein paar zauberhafte Momenten auszupacken. So wie beim 4:3 im Achtelfinal gegen Argentinien. In erster Linie aber darum bemüht, das Risiko so gering als möglich zu halten.

Der ruhende Ball und die individuelle Klasse

Am Ende waren diese WM und ihr Weltmeister geprägt von guter Organisation und Standards, Standards, Standards. Weil die Abwehrreihen in Nationalteams den Offensiven im freien Spiel immer überlegen sein werden. Welcher Trainer investiert schon die wenigen Wochen, die er mit seinen Spielern hat, um spektakuläre Angriffszüge zu planen? Lieber werden die defensiven Reihen geschlossen. Und vorne helfen der ruhende Ball oder die individuelle Klasse, mit der die Franzosen nun wahrlich gesegnet sind.

Da sich die anderen Favoriten an dieser WM allesamt früh verabschiedeten, wirkte es nie, als ob die Franzosen je einmal bis an ihre Grenze gehen mussten. Das kann nicht ihr Problem sein. Für neutrale Zuschauer aber wäre es schön gewesen zu sehen, ob ein Neymar vielleicht doch noch für ein paar unorganisierte Momente in der französischen Defensive hätte sorgen können.

Ein Versprechen schwingt noch mit

Die Weltmeister aus Frankreich tragen deswegen noch immer ein Versprechen mit sich. Ist es nicht so, dass diese Vereinigung wunderbarer Spieler ihren grössten, ihren wirklich epischen oder bezaubernden Match noch immer vor sich haben müsste? Zeit dafür hätte diese Generation. Antoine Griezmann ist 27 Jahre alt, Paul Pogba 25 – und der neue Stern am Fussballhimmel Kylian Mbappé hat seinen 20. Geburtstag noch vor sich.

Video - So feiern die französischen Fans den Titel

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.07.2018, 20:50 Uhr

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