«Spanien überlebt Cristiano»

Für seine drei Treffer im iberischen Derby wird der Portugiese Cristiano Ronaldo von den Medien geadelt. Der spanische Doppeltorschütze Diego Costa geht hingegen fast vergessen.

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Das WM-Gruppenspiel zwischen Portugal und Spanien war ein Leckerbissen für jeden Fussball-Fan. Von der ersten bis zur letzten Spielminute bot das iberische Duell Spektakel und Hochspannung. Superstar Cristiano Ronaldo, der alle drei Tore für Portugal schoss, stand dabei in der Hauptrolle. Ebenso Spaniens Doppeltorschütze Diego Costa, der allerdings von Real Madrids Goalgetter in den Schatten gestellt wird – zumindest medial. Denn in den meisten Zeitungen oder auf Online-Portalen steht wie gestern Abend im Olympiastadion in Sotschi vor allem einer im Zentrum: Ronaldo.

«A España se le resiste Cristiano (3-3)» – auf deutsch «Spanien widersteht Cristiano» –, schreibt beispielsweise «El Pais». Und die grösste spanische Tageszeitung gibt nach dem Remis zu bedenken: «Weder Lopetegui noch Iron, die Debatte ist De Gea». Torhüter David De Gea hinterliess besonders bei Ronaldos zweitem Treffer nicht gerade den besten Eindruck. Und auf das Spielchen mit dem portugiesischen Rekordschützen vor dem Elfmeter in der Startphase der Partie hätte er wohl auch verzichten können. «El Mundo», Spaniens zweitgrösste Tageszeitung kommt zum Schluss: «Spanien überlebt Cristiano».

Gott Ronaldo und seine Wunder

Auch das Fussball-Magazin «Marca» (sinnigerweise zu deutsch Rekord), das Real Madrid und Stadtrivale Atlético nahe steht, bezeichnet Ronaldos 3:3 als «Imparable» (unaufhaltsam) und schreibt weiter: «Und Madrid feilscht mit Cristiano...». Zur spanischen Nationalmannschaft steht online die Überschrift: «Röntgenbild eines Debüts: fünf Gründe, von Spanien zu träumen ... und eines, um das man sich sorgen muss». Die Sportzeitung «As» aus der Stadt der Königlichen titelt freudig: «Madrid hält die Weltmeisterschaft». Und die in Barcelona herausgegebene «Sport» meldet eher nüchtern: «Cristiano vermeidet die siegreiche Premiere von La Roja».

Hoch gejubelt wird Ronaldo natürlich vor allem in seiner Heimat Portugal. Die täglich erscheinende Boulevard-Zeitung «Correio da Manhã» hält fest: «Com Deus Ronaldo os milagres são possíveis» (Mit Gott Ronaldo sind Wunder möglich). Unter dem Titel «Ronaldo três, Esphana três» feiert die portugiesische Sportzeitung «A Bola» ihren Superstar ab. Selbstverständlich wurde das Dreierpack auch in Brasilien mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. «Messi ist der grösste Spieler, aber Ronaldo ist der beste Finisher der Welt», steht über dem Online-Artikel der «Folha de S. Paulo», der zweitgrössten Tageszeitung des Landes.

«Ziegen-Jubel» aufgelöst

Im englischen Sprachraum kommen die Leser ebenso wenig um den auf der Insel Maderia aufgewachsenen Dreifachtorschützen herum. In der britischen Tageszeitung «Daily Express» steht, wie Ronaldo mit seinem Freistoss den WM-Hattrick vollendet. Und die «Sun» scheint aus bester Quelle zu wissen, dass Cristiano Ronaldo während dem Torjubel gegen Spanien mit seinem Griff ans Kinn die Abkürzung GOAT (steht eben nicht nur für Ziege, sondern «greatest of all time») andeuten wollte. Da schliesst sich die «New York Times» mit dem Vermerk «einem Spieler für alle Zeiten» an.

Dank der «Sun» hat sich nun das Rätselraten des deutschen Boulevardblatts um den Ronaldo-Jubel (mit der Überschrift «Ziegen-Geste vom Portugal-Star») erübrigt. Und was die «Frankfurter Allgemeine» mit «Nur einer hat keine Freude an Ronaldo», kann sich wohl jeder selber denken.

ddu

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