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Darum ist die WM spannend wie nie

Knappe Duelle, Nervenspiele und späte Entscheidungen – die Endrunde in Russland ist alles ausser langweilig.

England setzt sich gegen Kolumbien erst im Penaltyschiessen durch. Zu viel für Kolumbiens Juan Cuadrado – er kann nicht mehr hinsehen.
England setzt sich gegen Kolumbien erst im Penaltyschiessen durch. Zu viel für Kolumbiens Juan Cuadrado – er kann nicht mehr hinsehen.
Felipe Trueba, Keystone

In den acht Spielen der ersten K.-o.-Runde trennte die Teams siebenmal nur ein Tor – davon dreimal nur wegen des Penaltyschiessens. Brasiliens 2:0-Sieg gegen Mexiko war der eindeutigste Sieg der Achtelfinals. Als einziges Team setzte sich die Seleçao mit einer Tordifferenz von mehr als einem Tor durch. Blickt man zurück, zeigt sich auch hier, dass die Teams immer ausgeglichener und die Spiele immer enger werden.

Firminos Treffer zu Brasiliens «klarem» 2:0-Sieg gegen Mexiko. (Video: SRF)

An der Endrunde 1986 in Mexiko wurde erstmals seit 1938 wieder eine Runde der letzten sechzehn gespielt. Damals setzten sich fünf Teams mit mehr als einem Tor Differenz durch. Seither waren es jeweils zwei oder maximal drei Teams, die sich deutlich durchsetzen konnten.

Das Nervenspiel hat Hochkonjunktur

«Elfmeterschiessen, das ist irgendwie wie mit Frauen und Autos – reine Glückssache», sagte einmal Juri Sawitschew, ein ehemaliger Nationalspieler der UdSSR. Da werden ihm die Dänen, die Spanier und die Kolumbianer zustimmen. Sie mussten nach den Achtelfinals die Heimreise nach Niederlagen im Penaltyschiessen antreten. Kroatien, Russland und England setzten sich vom Punkt durch. 1982 an der Endrunde in Spanien kam es erstmals zum Penaltyschiessen, damals siegte Deutschland im Halbfinal gegen Frankreich. Seither wurden nie so viele Achtelfinal-Duelle erst nach der Verlängerung entschieden.

Der ehemalige Basler Ivan Rakitic schiesst mit dem letzten Penalty Kroatien gegen Dänemark in den Viertelfinal. (Video: SRF)

Die Zahl der Spiele, die auch nach der Verlängerung nicht entschieden sind, steigt kontinuierlich. So kam es 1986 zu keinem Penaltyschiessen in der Runde der letzten sechzehn, 1990 bis 2010 jeweils einmal und an der letzten Endrunde in Brasilien zweimal. Neben Costa Rica setzte sich der Gastgeber gegen Chile erst vom Punkt durch.

Nach 90 Minuten ist es noch nicht vorbei

Die deutsche Trainerlegende Sepp Herberger war sich sicher: «Der Ball ist rund, und ein Spiel dauert 90 Minuten.» Damit hat er nicht mehr ganz recht – der Ball ist noch immer rund, doch das Spiel dauert mittlerweile länger. Nachgespielt wird seit Beginn der 70er-Jahre. In den 636 WM-Spielen ab 1970 bis 2014 fielen 51 Tore nach der 90. Minute, in den 56 bisherigen Spielen der aktuellen Endrunde waren es bereits 17.

Japan wird in der 94. Minute nach einem eigenen Corner gnadenlos ausgekontert. Belgien siegt 3:2, und Japan muss die Heimreise antreten. (Video: SRF)

Dieses Jahr fällt also im Schnitt in jedem dritten Spiel ein Tor in der Nachspielzeit. An den Endrunden zuvor nur in jedem zwölften Spiel. Seitdem die Partien immer enger werden, steigt auch die Anzahl der entscheidenden Treffer nach der 90. Minute. Heuer waren es bereits fünf spielentscheidende Tore, zuvor kam es seit 1970 insgesamt nur zu neun späten Entscheidungen. Unter anderem schoss Haris Seferovic das siegbringende 2:1 für die Schweiz gegen Ecuador an der WM 2014 in der Nachspielzeit.

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