«Für die Matur bin ich noch zu jung»

Small Talk

Der 16-jährige Áedán Christie setzt sein Talent in der Studienwoche «Faszination Informatik» von Schweizer Jugend forscht ein.

Du sitzt vor dem Computer und programmierst. Ist das mit der Zeit nicht etwas öde?
Überhaupt nicht. Informatik ist sehr abwechslungsreich. Es gibt niemanden, der direkt am Computer zu programmieren beginnt. Wir brauchen auch Papier. Wir müssen erst einmal aufzeichnen, was wir eigentlich tun wollen. Wir arbeiten an Computergrafiken und brauchen dafür Datenstrukturen, Vektordaten, Matrizen. Man muss einfach Mathe mögen.

Das musst du mir erklären.
Wir versuchen zum Beispiel, eine Kugel möglichst realistisch, dreidimensional auf dem Computer abzubilden. Man muss sich das so vorstellen: An einem Punkt null ist die Kugel und irgendwo die Kamera, die von ihr ein Bild macht. Der Computer berechnet dann vom Kamerastandort aus die Aufnahme. Dafür müssen wir mathematisch die Lichtverhältnisse formulieren, das heisst, wir müssen im Grunde bei unserer Bildauflösung den Verlauf von einer Milliarde einzelner Lichtstrahlen berechnen.

Das ist ja mathematisch hoch kompliziert. Reichen da deine Gymnasialkenntnisse?
Nein. Ich habe meine Vorkenntnisse nicht vom Gymi. Mein Vater ist Physiker und hat mir einiges beigebracht. Sonst lernte ich per Internet vieles selbst.

Du könntest also in Mathematik bereits mit 16 Jahren die Matur machen?
Es wurde mir angeboten, die Matur zu machen. Aber ich finde, ich bin zu jung dafür. Es ist gut für mich, in den sozialen Strukturen meines Alters zu bleiben.

Wo werden diese 3-D-Bilder eingesetzt? In Videogames?
Für die Herstellung unserer Bilder braucht der Computer zwei Minuten. Das ist für Realtime-Sachen wie Computerspiele zu langsam. Aber für Standbilder oder für die Filmindustrie wird es oft gebraucht.

Wie lange spielst du Games pro Tag?
Ich habe das Gamen fast komplett aufgegeben. Ich programmiere lieber.

Sind Games nicht einfach Spielzeuge? Viel lernt man nicht.
Das ist zu krass ausgedrückt. Man kann durchaus auch interessante Sachen lernen. Zum Beispiel Kriegstaktik, wenn man sich dafür interessiert. Aber der Spassfaktor steht an erster Stelle.

Warum hast du dich für diese Studienwoche beworben?
Mir ist derzeit etwas langweilig in der Schule, das Tempo ist nicht so hoch. Und Informatik ist am Gymnasium nicht spannend, da es eigentlich nicht Informatik ist – man lernt vorwiegend Anwendungsprogramme wie Word. In der Studienwoche lerne ich Neues.

Und wo siehst du deine Zukunft? In der Filmindustrie?
Nein. Mich interessieren interdisziplinäre Sachen. Zum Beispiel Informatik mit Biologie kombiniert, wie zum Beispiel bei Prothesen, die vom Hirn gesteuert werden. Auch die Entwicklung von Robotern interessiert mich.

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