Genuss für Gemütliche

Das Restaurant Elfenau Park ist zwar nicht für Businessluncher ausgerüstet, wer aber etwas Zeit mitbringt wird reichlich belohnt.

Im Grünen gelegen: Das Restaurant Elfenau Park in Bern.

Im Grünen gelegen: Das Restaurant Elfenau Park in Bern.

(Bild: zvg)

Mischa Stünzi

Berns Bunnadernquartier mag punkto Villen zu den schönsten der Stadt zählen, kulinarisch ist die Wohngegend eher ein Ödland. Neben Punto und Orangerie hat das Quartier gastronomisch wenig zu bieten. Das haben auch die Betreiber des Elfenau Parks erkannt. In den letzten vier Monaten wurde das Restaurant im Deluxe-Altersheim – oder wie es die Betreiber selber bezeichnen: im Wohn-, Kultur- und Dienstleistungspark – totalsaniert. Es soll nicht nur den Bewohnerinnen und Bewohnern und deren Besuchern offen stehen, sondern zu einem neuen Begegnungsort im Quartier werden. Wenn das keine Aufforderung für einen Testbesuch ist.

Modern, fast hip ist es geworden, das neue Lokal. Vom früheren, eher biederen Interieur ist nichts mehr geblieben. Die Gäste nehmen auf Eames-Plastic-Chairs und an schlanken Holztischen Platz. Von der Decke hängen verformte Korblampen. Besonders lauschig sind allerdings die Aussenplätze. Im Schatten grosser Sonnenschirme sitzt man hier mitten in der idyllischen, grünen Anlage. Die Hektik und der Lärm der Stadt sind Meilen entfernt. Hier lassen wir uns nieder.

Die Karte ist kurz, überrascht aber mit einer vielseitigen, saisonalen Küche – von Lammfiletwürfeln mit Aprikosenschnitzen, Cognac-Rahmsauce und Reis über Spaghetti mit Safrancrevetten bis Beefsteak Tatar. Am Mittag stehen zudem täglich drei Menüs zur Auswahl. Kinder können für pauschal 12 Franken von der Karte bestellen, oder sie nehmen gratis einen Räuberteller, mit dem sie aus den Tellern von Eltern und Grosseltern stibitzen können.

Wir wählen Spaghetti mit Ziegenfrischkäse und Cherrytomaten (Fr. 22.–), Teigwaren mit Tomatenrahmsauce (Fr. 18.–), Basilikumgnocchi mit Steinpilzen (Fr. 20.–) und ein Menü, bestehend aus einer weissen Bohnensuppe und Teigwaren mit Lammfleischsugo (Fr. 19.50). Die Suppe wird zügig serviert. Dick, rahmig und leicht süsslich, schmeckt sie ausgezeichnet, passt aber eher an ein abendliches Kaminfeuer als in den sommerlichen Garten. Dann müssen die Begleiterinnen und der Testesser erst einmal warten. Offenbar geht die Küche davon aus, dass die Gäste hier in der Regel keine grossen Pläne mehr haben für den Nachmittag. Auf hektische Businessluncher ist man offensichtlich nicht vorbereitet. Zum Glück haben wir Zeit.

Und das Warten lohnt sich. Besonders die Spaghetti mit Uettliger Ziegenkäse sind das perfekte Sommergericht. Der leichte Frischkäse sorgt für eine säuerliche Note, die Tomaten sind die fruchtigen Farbtupfer im Ganzen. Noch etwas nachsalzen, herrlich. Auch Lammfleischsugo und Tomatenrahmsauce schmecken genau so, wie sie schmecken sollen: intensiv, ehrlich, fruchtig. Dagegen fallen die Basilikumgnocchi etwas ab. Die Steinpilze gehen in der üppig-rahmigen Sauce leider unter – im wahren und im übertragenen Sinn. Dass das Gericht noch mit Käse überbacken ist, hilft da nicht. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Obwohl die Dessertauswahl verlockend klingt, müssen wir passen. Die Portionen waren zu gross, als dass irgendwo ein weisses Schokoladen-Himbeertörtchen oder eine Latte Cotta mit Himbeercoulis Platz hätten. Auch die in Unterlangenegg ob Steffisburg hergestellten Glacen werden wir erst beim nächsten Besuch verköstigen.

Der Bund

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