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Jame u Carpe

«Mundart»-Kolumnistin Renata Burckhardt lehrt uns, den Tag zu geniessen.

Das wird e Jam. E Kolumne-Jam. Öppis Spontans, öppis ad hoc u nume itz, itz, itz – u hüpp ischs verby. Das wird e «Carpe diem»-Kolumne. Carpe diem, wo dr Horaz 23 v. Chr. als Fazit i sym Gedicht bruucht, u zwar nid wien im Dütsche «Nutze den Tag», sondern hedonistisch «Pflücke den Tag»:

«Frage nicht (denn eine Antwort ist unmöglich), welches Ende die Götter mir, welches sie dir, Leukonoe, zugedacht haben, und versuche dich nicht an babylonischen Berechnungen! (...) Ganz gleich, ob Jupiter dir noch weitere Winter zugeteilt hat oder ob dieser jetzt, der gerade das Tyrrhenische Meer an widrige Klippen branden lässt, dein letzter ist, sei nicht dumm, filtere den Wein und verzichte auf jede weiter reichende Hoffnung! Noch während wir hier reden, ist uns bereits die missgünstige Zeit entflohen: Geniesse den Tag, und vertraue möglichst wenig auf den folgenden!» Ja, das wird e «Pflücke den Tag»-Kolumne. Öppis ad hoc u nume itz, itz, itz – u hüpp ischs verby. Vertroue uf das, was grad chunnt. E Jam äbe. E Kolumne-Jam.

Bewusst isch mir ds Wort Jam zerscht Mau z Basu begägnet. I ha in ere WG mit Jazzmusiker gwohnt; u die hei geng vo so Jam-Sessions gredt. Für mi het Jam denn eifach Gomfi gheisse. Ei müglechi Übersetzig vo «to jam» («kräftig pressen») het mir nid wyter ghulfe im Verstah, vo was die Musiker gredt hei. S het sech de schnäu klärt, dass sie nid Gomfi zäme mache, sondern frei Jazz improvisiere. Was für mi aber no es Wyli lang e gomfig-süesse Bygschmack het gha. U d Vorstellig, Manne würde sech am Abe nid bym Boxe, Schute oder Bier träffe (aues Klischees, I know, aber haut no hüfig so), sondern byn ere Gomfi-Session, het no öppis.

Richtigi Gomfi- (u Sirup)- Sessions het de en angeri WG-Mitbewohnerin vo mir gmacht. Wo sie by mir yzogen isch, het sie am glychen Abe no Holundersirup u so ne Gelee ykochet – u zwar «en gros». Das isch richtig carpe diem gsi. Aues pflücke, aues verchoche, ohni z wüsse, wär das de suuft oder isst. Dr Chuchibode het e Wuche speter no kläbt. Ja, myni nöi Mitbewohnerin isch es Kaliber vo Frou gsi, u nid ironisch meinen i das. Grossartig. Ds Interessante bym Jamen isch, dass Züg cha passiere, wo süsch nid würd passiere. Ir Musik sy das Klangfolge, Tön, d Kombination vo Tön, d Melodie, d Harmonie, d Rhythmik wo nid scho nidergschrybe sy, nid komponiert. Dr Akt vom Erfinde passiert spontan, zäme mit angere MusikerInne, frei improvisiert, ohni Arrangements – und eigentlech ohni Publikum. Drum geit mi Versuech hie natürlech nid uf. S git es Publikum – nume nid während em Schrybe säuber, sondern speter. U ds Schrybe isch hüfig nüt Gmeinsams, sondern öppis Einsams. En Alleigang.

S het mi trotzdäm Wunder gno, was das heisst, wen ig mau Jame. Eifach mache. Itz, itz, itz. U mir faut uf: I ha weni Ahnig vom Jame. I wett fasch phoupte, ds Jame het generell nid so viu Platz in üsere Kultur. Dass me eifach macht. Eifach tanzt, eifach trifft, eifach kennelernt. U eifach luegt, was drus wird. Ohni wytere Gedanke. Ds Risikio isch nid üsi Sterchi. Und i muess zuegä: I ha o no chly baschtlet a däm hie, has nomau düregläse, ha korrigiert. Auso eigentlech ds Gägeteu vom Jame u Carpe. Aber dr Summer hiuft drfür. Drum guets Jame u Carpe!

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