In Walt Disneys Wohnzimmer

Pures Wohlfühlambiente im Pfisternbeck am Europaplatz. Der Testesser bereut, dass er für das Dessert keinen Appetit mehr übrig hat und will wieder kommen.

Der Pifsternbeck befindet sich am Europaplatz in Bern.

Der Pifsternbeck befindet sich am Europaplatz in Bern. Bild: zvg

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Vom Unort zum Quartiertreffpunkt: Die frühere Haltestelle Ausserholligen hat sich gemausert. Auf dem Platz zwischen Autobahn, Freiburgstrasse und Bahngleisen, der seit seiner Neupositionierung vor ein paar Jahren den Namen Europaplatz trägt, ist an diesem Mittag einiges los – trotz des Schmuddelwetters. Aus allen Richtungen strömen die Leute in den Neubau, der den Platz dominiert und das Haus der Religionen, verschiedene Restaurants und Läden beherbergt. Eines der Lokale und das heutige Ziel des Testessers ist der Pfisternbeck. (Randnotiz: Der Name ist eigentlich ein Pleonasmus, denn Pfister kommt vom lateinischen Wort Pistor, was so viel bedeutet wie Bäcker oder auch Müller.)

Auf den ersten Blick sieht der Pfisternbeck aus, wie eine Bäckerei halt so aussieht: Eine grosse Theke im Eingangsbereich mit den gluschtigen Backwaren und im hinteren Teil einfache Tische und Stühle. Umso grösser die Überraschung, wenn sich der Gast um die Theke herum wagt. Im Verborgenen liegt dort das einladende Wohnzimmer des Lokals. Wohlfühlambiente pur: tiefe braune Sessel und Kanapees, Kronleuchter, Bibliothek. Und zur Abrundung brennt am Eingang ein Feuer. Zugegeben: Das Ganze wirkt etwas künstlich, als wäre Walt Disney persönlich der Innenarchitekt gewesen. Gemütlich ist es trotzdem. Und der Testesser und sein Begleiter können sich glücklich schätzen, überhaupt noch einen Platz im Wohnzimmer zu ergattern. Laut einer Stammkundin lohnt es sich hier zu reservieren.

Zwar gibt es auf der Karte nur ein Mittagsmenü. Die Auswahl ist trotzdem gross. Das Angebot umfasst Flammkuchen, Salate, Burger, Käse- und Gemüsekuchen und natürlich Sandwiches und Canapés. Der Begleiter wählt das Menü, Safran-Pilz-Risotto (Fr. 16.–). Inbegriffen ist ein kleiner Salat. Der Testesser bestellt eine Sauerkrautsuppe (Fr. 8.–) als Vorspeise und als Hauptgang den Pfisternburger mit Coleslaw (Fr. 16.–). Die Suppe schmeckt fein. Das oft etwas widerspenstige Sauerkraut wird vom reingeriebenen Apfel gekonnt gebändigt. Ungewohnt ist eine leichte Note von Barbequesauce. Im Ergebnis schmeckt die Suppe ein bisschen so, als wäre sie ein Braten. Am Burger gibt es rein gar nichts auszusetzen. Das frische Maisbrötchen ist knackig und gibt einen wunderbaren Rahmen ab für das saftige, rosa gebratene Fleisch. Die Sauce – laut Menükarte eine Speckmarmelade – hält sich dezent im Hintergrund und unterstützt mit ihrem rauchigen Aroma den Fleischgeschmack, ohne ihn zu übertönen.

In die Nebenrolle gedrängt wird der Coleslaw, Kabissalat nach amerikanischer Art. Er schmeckt zwar gut – süss und üppig –, kann den Testesser aber nicht restlos überzeugen. Weil die Rüebli gegenüber dem Weisskohl überwiegen, ist der Coleslaw insgesamt zu lieblich. Der etwas kratzige Geschmack des Kabis geht unter und damit die Spannung verloren.

Zwei Dinge bereut der Testesser beim Verlassen des Lokals. Erstens hätte er vor der Getränkebestellung einen Blick in die Karte werfen sollen. Dann hätte er nämlich gesehen, dass der Pfisternbeck eine grosse Teeauswahl hat und alle Tees auch als Eistee bestellt werden können. Das wäre bestimmt ein besserer Durstlöscher gewesen als der Industrie-Eistee aus dem Hause Coca-Cola. Und zweitens möchte er beim nächsten Besuch noch etwas Appetit übrig lassen für eines der Desserts, die auf dem Weg nach draussen verführerisch in der Auslage warten.

Weitere Aufgetischt-Folgen auf www.aufgetischt.derbund.ch. (Der Bund)

Erstellt: 21.01.2017, 15:02 Uhr

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Die Rechnung, bitte

Karte: Klein, aber abwechslungsreich –
einfache Gerichte wie Burger, Flammkuchen, Sandwiches, Käse- und Gemüsekuchen, Tapas, Mittagsmenü.

Preise: Preiswert – das Mittagsmenü kostet 16.50 Franken. Flammkuchen und Burger
gibt es ab 12 Franken. Sandwiches kosten
um 6 Franken, Kuchen um 4.50 Franken.

Kundschaft: Zahlreich – Das Lokal ist
am Mittag gut besucht, auch von Personen im reiferen Alter, der Testesser und sein Begleiter gehören zu den jüngsten Gästen.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag
6 bis 19 Uhr, Samstag 8 bis 17 Uhr.
Sonntag 8 bis 16 Uhr.

Adresse: Pfisternbeck, Europaplatz 1,
3001 Bern, Telefon 031 301 85 85,
E-Mail: hallo@pfisternbeck.ch;

Internet: www.pfisternbeck.ch.

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