Hasse oder liebe zum Summeränd

«Mundart»-Kolumnistin Renata Burckhardt möchte sie das Lieben lernen.

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«Rien n’unit aussi fort que la haine, ni l’amour, ni l’amitié, ni l’admiration.» – Nüt vereint so fescht wie dr Hass, nid d Liebi, nid d Fründschaft, nid d Bewunderig. S tuet mr leid, dass i hie mit somne Satz afah. Itz, wo die heisse Täg vilecht verby sy u vilecht langsam dr Herbscht chunnt. Dä Satz isch aber nid vo mir, sondern vom Anton Tschechow, berüehmte russischen Outor u Dramatiker («Platonow», «Iwanow», «Die Möwe», «Onkel Wanja», «Drei Schwestern», «Der Kirschgarten» u. a.).

We me em Tschechow syner Stück u Churzgschichte kennt, cha me anäh, dass är d Seel vom Möntsch guet beobachtet het. Umso gemeiner, dass dä Satz von ihm isch. Nüt vereint so fescht wie dr Hass? We das stimmt, de vilecht, wöu Hass am wenigschte es Gfüehl isch – vergliche mit Liebi, Fründschaft u Bewunderig. Hass isch ke Impuls, sondern konschtruiert, jahrelang. Hass bout sech uf. «Was man dem Volk dreimal sagt, hält das Volk für wahr» – Heinrich von Kleist, wider en Outor und Dramatiker. Me cha däm überau zueluege uf dr Wäut. Wie Lüt angeri zum Hasse bringe. Hass chunnt nid über d Nacht. Oder wär isch scho am ne Morge verwachet u het no im Haubschlaf ungereinisch gschpürt, dass är dise oder jene hasst? Wär isch ungereinisch an ere Bushaltestell vom Hass troffe worde – wies mit dr Liebi cha passiere? Ig ömu no nie.

Ig ha vilecht einisch gehasset. U das het sech lang ufbout. Und es isch letschtläch äuä nid emau Hass gsi, ehnder Ohnmacht. U die Ohnmacht het sech im Summer 2003 uf eme Zebrastreife i Luft ufglöst. Ohni Witz. Wöu i ungereinisch ke Chraft meh gha ha für das grusige Gfüehl. Und oh ke Luscht meh. Das Gfüehl, wo eim laht la abe brönne wien e Cherze. Wöus eim dr Blick komplett versteut. Wöu d Wäut äng wird. U we me Päch het, eim besetzt, bis a ds Läbesänd.

S isch wie geng, we me sech mit eme Thema beschäftigt: Me gseht ungereinisch ganz viu drzue. U so geits mir im Momänt. I mym nächschte Theaterstück geits um Hass. Breits Thema, ja. Und überau z finde. Zwüsche zwee Möntsche, i Familie, zwüsche Länder, Religione, Gruppe, Natione. D Medie sy voll drvo. Und es git nüt, was es nit git. I ha vo Geschichte gläse, won i nid für möntschemüglech ghaute ha. Geng no nid. U logischerwys drängt sech d Frag nach em Werum uf. E heikli Frag. Wöu s git Lüt, wo Unerträglechs erläbt hei. Wie söue sie nid hasse? Numen ischs komisch, dass d Ursach u ds ghassten Objekt hüfig nid ds Glyche sy. Hass wird übertreit. Meischtens uf Schwecheri.

Und äbe, de isch no das mit em versteute Blick. E Fründ vo mir gseht nid, dass syni Ex-Frau lydet wien e Moore. Dass sie nach Luft schnappet. U sech für die gmeinsame Chind fasch z Tod chrüpplet. Aber aui angere gsehs. Dä Fründ bländet us. U konschtruiert us dere Frou es Biud, wo sym Hass entspricht. Mit dr Realität het das nume no weni z tüe. Wahrschynlech ischs ir Liebi nid viu angers. Me bländet us, zugunschte vor Liebi. Me cha ja nid geng aues glychzytig bedänke und erkenne. Gwüssi Wüsseschaftler wei sogar dr Grund kenne, werum Liebi u Hass so nach zämeligge: Bym romantische Liebesempfinde u bym Hassgfüehl söue die zwöi glychen Hirnareal aktiv sy. Aber irgendwo gits no e Schautsteu, wo jede säuber cha entscheide – im Zwyfelsfau gäge dr Hass.

Der Bund

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