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Frauen, die mit Rappern reden

«Wahrheit»-Kolumnistin Lena Rittmeyer über Realness in der Unterhaltungsindustrie.

zvg

«Muah, muah!» macht die blonde Frau mit dem Mikrofon und deutet grossgestig Küsschen zur Begrüssung an. Gerichtet sind sie an den deutschen Rapper Cro, der nach dem Finale der Fernsehshow «Germany’s Next Topmodel» hinter der Bühne auf einem Sofa auf sie wartet. Der Mann hatte nicht nur kurz zuvor, sondern auch während der «Topmodel»-Staffel einen Gastauftritt, deshalb weiss er sicher mittlerweile, dass die Moderatorin des Promi-Magazins «red!» nicht etwa ein französisches Personalpronomen in die Luft haucht, sondern dass man so in der Modebranche das fabulöse Gegenüber begrüsst. Warum also nicht auch einen Sprechsänger?

Zu diesem «Abend voller Emotionen» befragt («Was war dein Highlight?»), gibt sich Cro dann überraschend meinungsstark («Natürlich ich»). Als die Befragerin allerdings wissen will, ob er auf seinem Album «erwachsener» klinge, kommt das Gespräch ins Schleppen. Halt «brutaaal nice» findet Cro die Platte. Und hat denn vielleicht er, der ja immer diese Pandamaske trägt, einen Tipp für die Fernsehmodels, wenn sie auf der Strasse nicht erkannt werden wollen? Der Moderatorin friert ein wenig das Gesicht ein, als Cro nach kurzem Nachdenken antwortet: «Abschminken, vielleicht?»

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Ja, es kommt mitunter zu denkwürdigen Szenen, wenn das Bestreben nach Authentizität des Hiphops (also Realness, wie man in der Szene sagt) auf die hübsch zurechtgemachte Oberflächlichkeit der TV-Unterhaltungsindustrie trifft. Mehr zu lachen als Cros Interviewerin hatte immerhin die aktuelle Bachelorette Adela Smajic, als sie im Rahmen der Youtube-Serie «MeetCHRap» anhand einzelner Tracks das heimische Hiphop-Schaffen kommentieren sollte. Schon als sie einen Song des Luzerners LCone hörte, in dem er «Bäumli» auf «Träumli» reimt, gab es für die Baslerin kein Halten mehr: «Ych ligg ab!»

Für die Texte schien sich Smajic beim St. Galler Monet192 weniger zu interessieren («Isch e hübsche Maa!»), sie zeigte sich eher irritiert ob seinem «Kanakendeutsch». Angetan war sie dann insbesondere von einem weissen Hund, der im Clip zu «Link up», einer Kollaboration zwischen Manillio und dem Berner Rapper Nativ, auftaucht. Und freute sich etwas zu früh darüber, dass wir es hier mit «keinen harten Texten» zu tun hätten, denn kurz darauf rappte Nativ von einer «bad bitch», worauf die Junggesellin festhielt, er sei jetzt also doch am Fluchen, und das fände sie «grauenhaft». Eine persönliche Botschaft sprach sie dann auch noch gleich für Nativ in die Kamera: «Dein Wortschatz ist unglaublich!» Das wird der sich bestimmt zu Herzen genommen haben.

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Es ist jedenfalls kein einfaches Unterfangen, als Anhänger der Realness von der Protagonistin einer Reality-Show beurteilt zu werden. Wer ist denn jetzt mehr real, fragt man sich da. Und was hat man als Rapper falsch gemacht, wenn einen die Bachelorette «häärzig» findet? Ist das schon ein Diss? Folgt bald ein Battle mit harten Texten? Und legt Adela Smajic dann endlich ihre Maske ab?

Ein Fazit wollen wir immerhin ziehen: Echte Emotionen sind meistens am nicesten. In diesem Sinne ein überschwängliches «Muah, muah!» in die Runde.

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