Langzeitparkierer verstellen Behindertenparkplätze

Hintergrund

Mit der Parkkarte für Gehbehinderte können Betroffene ihr Auto ohne Einschränkungen auf allen öffentlichen Parkplätzen abstellen. Manche nutzen dies aus.

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Jvo Cukas

In der Stadt Zürich sind Behindertenparkplätze Mangelware. 214 solch speziell gekennzeichnete Parkfelder hat die Stadt am 7. Oktober dieses Jahres ausgewiesen. Sie liegen alle nahe von öffentlichen und touristisch attraktiven Einrichtungen sowie in Wohnquartieren und bei Gesundheitspraxen. Gehbehinderte sollen ihren Zielort so mit wenig Aufwand erreichen können.

Das nützt wenig, wenn die Plätze dauerhaft verstellt sind. Ein Leserreporter macht an der Bristenstrasse in Altstetten aber genau diese Erfahrung: «Ein Behindertenparkplatz gegenüber einer Physiotherapiepraxis ist dort fast durchgehend vom gleichen Auto besetzt.» Jedes Mal, wenn er die Praxis aufsuchen wolle, sei das Parkieren dort unmöglich. Der Dauernutzer habe eine Parkkarte, die ihn als Behinderten ausweise: «Ich frage mich, ob er sich damit einfach einen Garagenplatz spart», erklärt der Leserreporter.

Freies Parkieren für 20 Franken

Tatsächlich kann auf den Behindertenparkplätzen mit der entsprechenden Parkkarte zum Preis von 20 Franken in der ganzen Stadt ohne Zeitlimite parkiert werden, wie Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei, erklärt. Das gilt auch für die weissen Parkfelder und jene in der blauen Zone. Selbst im Parkverbot darf während dreier Stunden das Auto abgestellt werden.

Das Beispiel des Leserreporters zeigt, dass die Parkkarte Dauernutzer auf den Plan rufen kann. Sie lassen ihren Wagen über Wochen auf einem Behindertenparkplatz stehen und sparen sich so einen anderen. Laut Polizeisprecher Cortesi können Dauernutzer aber bei der Polizei gemeldet werden: «Wir klären dann ab, ob ein Missbrauch vorliegt oder ob es berechtigte Gründe für die Nutzung gibt.»

Einschränkung der Parkkzeit «kein Thema»

Grundsätzlich seien der Stadtpolizei aber keine Beschwerden wegen Missbräuchen von Behindertenparkplätzen bekannt: «Viel öfter kommt es vor, dass Nichtbehinderte die Parkplätze unberechtigt nutzen.» Für Cortesi ist eine Einschränkung der Parkzeit für Gehbehinderte deshalb auch kein Thema.

Zum Bezug der Parkkarte für Gehbehinderte ist berechtigt, wer sich dauernd oder vorübergehend während mindestens sechs Monaten zu Fuss nur bis circa 200 Meter fortbewegen kann. Sie gilt jeweils für ein Jahr und kann für 10 Franken verlängert werden. Nur alle fünf Jahre müssen die handicapierten Personen einen vom Arzt attestierten Nachweis erbringen, dass sie noch immer auf den Ausweis angewiesen sind.

DerBund.ch/Newsnet

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