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«Gegenüber dem Staat verspüre ich Wut und Groll»

Heute setzt sich Sergio Devecchi für ehemalige Verdingkinder ein.

Herr Devecchi, Sie wurden im Heim als «Kinderknecht» eingesetzt, geschlagen und zu einer «kleinen Betmaschine» erzogen. Warum wurden Sie selber Heimleiter?

Als Heimleiter haben Sie Ihr Schicksal als Heimbub verdrängt. Ist Verdrängen die richtige Strategie?

Jugendliche warfen Ihnen als Heimleiter vor, Sie hätten doch keine Ahnung vom Heimleben. Da hätten Sie sich doch outen müssen?

Haben Sie sich Ihr Outing für später aufbewahrt?

Wann war dieser Moment?

Das war aber bloss ein Teil-Outing?

Bundesrätin Simonetta Sommaruga sagte Ihnen am Tag des Anlasses, sie wisse, was Sie durchgemacht hätten. Woher wusste sie das?

Die Schweiz brauchte lange, bis sie das Unrecht an den Opfern von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen eingestand. Hat das Schweigen der Opfer dazu beigetragen?

Sie erwähnen Menschen, die zum Alkoholiker geworden sind oder sich anderweitig zerstört haben. Aber es gab doch sicher auch welche, die rebelliert haben?

Sie starteten Ihre Heimleiter-Karriere in der 1968er-Zeit. Ging der damalige Furor der Vergangenheitsbewältigung an Ihnen vorbei?

Ihre Mutter war Ihnen gegenüber kalt. Haben Sie ihr verziehen?

Trotzdem: Als Heimbub haben Sie Ihre Mutter eiskalt erlebt.

Aber auf die Grossmutter müssten Sie doch wütend sein? Sie und der Pfarrer haben Sie mithilfe der Behörden versorgt.

War dem auch so, als Ihnen ein Betreuer auf den Kopf schlug, weil Sie angeblich das Treppenhaus nicht sauber geschrubbt haben?

Sie schreiben im Buch, die Behörden seien halt überfordert gewesen. Sie haben Verständnis für den Staat?

Als Sie dem Heimleiter sagten, dass Sie ins Gymnasium wollten, erhielten Sie eine Ohrfeige. Das ist nicht Überforderung, das ist Bosheit?

Mit dem Heimleiter haben Sie später nie mehr das Gespräch gesucht?

Die Stiftung Gott hilft hat die Geschichte ihres Heimwesens durch eine Historikerin aufarbeiten lassen. Sie kritisieren das Ergebnis.

Die Akten des Heimes wurden vernichtet. Wie ist da eine Aufarbeitung überhaupt möglich?

Die Schweiz will an die noch lebenden Verdingkinder 300 Millionen Franken aus einem Solidaritätsfonds bezahlen. Ist das Kapitel erledigt?

Hätte es Alternativen gegeben?

Werden sich nun alle melden, die Anspruch haben?

Vielleicht muss man vor einer Kommission weinen?

Sie kritisieren am heutigen Heimwesen die Überbetreuung und die Verwischung der Verantwortlichkeiten. Fallen wir ins andere Extrem?

Heute wird die Heimdebatte nur noch als Kostendebatte geführt. Was hat dies für Folgen?

Was wäre zu tun?

Sie sagen, wenn es die Kesb gegeben hätte, wären Sie nicht versorgt worden. Die Kesb steht heute massiv in der Kritik.

Der Kesb wird vorgeworfen, Entscheide am grünen Tisch zu fällen.

Herr Schwander sagt, nur die Gemeinden seien nahe an den Betroffenen dran.

Früher stand die Vormundschaft aber weniger im Fokus.