Mit Apple-Charme und Jöö-Effekt

Samsung und Leica haben neue Kameras mit Wechselobjektiven vorgestellt. So unterschiedlich die Preise, so ähnlich die Idee dahinter.

Aus einem Alublock gefräst: Das Gehäuse der Leica T wurde von Audi designt. Foto: PD

Aus einem Alublock gefräst: Das Gehäuse der Leica T wurde von Audi designt. Foto: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist nicht zu übersehen: Der Kameramarkt ist in Bewegung. Während immer mehr Menschen dank der Smartphones die Freude am Fotografieren (wieder-)entdeckt haben, sind die traditionellen Kamerahersteller gezwungenermassen so mutig wie lang nicht mehr. Denn, so gut Handykameras auch sind: Früher oder später stossen sie an ihre Grenzen. Dort möchten die Kamerahersteller mit ihren Angeboten bereitstehen. Ein Beispiel: Ein derzeit gefragter Fotoeffekt ist die Hintergrundunschärfe. Das Hauptobjekt des Bildes ist scharf und der Hintergrund verschwommen. Bei Fotokameras erreicht man dies mit einer möglichst weiten Blende und einem grossen Bildsensor. Bei Smartphones können verschiedene Apps diesen Effekt digital nachahmen.

Marketingmacht und Tradition

Die aktuell interessanteste Kameraklasse bilden die spiegellosen Systemkameras. Sie verbinden dank austauschbarer Objektive und grosser Fotosensoren die Flexibilität und Bildqualität von Spiegelreflexkameras mit der handlichen Grösse von Kompaktkameras. Vor diesem Hintergrund stellen zwei Hersteller, die unterschiedlicher kaum sein könnten, ihre neusten Kameras vor. Auf der einen Seite der südkoreanische Grosskonzern Samsung mit seiner geballten Marketingmacht, die ihn schon an die Spitze des Smartphone-Marktes gebracht hat. Auf der anderen Seite Leica, das deutsche Traditionsunternehmen, dessen erste Fotokamera heuer 100 Jahre alt wird. Doch die Ideen hinter beiden Fotoapparaten sind dieselben: Eine einfache Kamera, die alles automatisch kann, die sich auf Wunsch aber auch manuell bedienen lässt, sich mit dem Smartphone verbindet und dank Wechselobjektiven und grossen Sensoren deutlich bessere Fotos als eine Handykamera schiesst.

So ähnlich die Ideen auch sein mögen, beim Preis unterscheiden sich die Angebote deutlich. Die Samsung-Kamera NX Mini gibt es mit dem Zoom­objektiv ab 600 Franken. Im Preis inbegriffen ist nebst der Fotosoftware Lightroom auch ein 7-Zoll-Tablet von Samsung. Die Leica T ist ab Ende Mai erhältlich und kostet ohne Objektiv, aber mit Lightroom rund 2000 Franken. Die zwei erhältlichen Objektive kosten 1900 und 2100 Franken.

Die Samsung-Kamera punktet zudem mit ihrem kompakten Design, einem Klappbildschirm und kleinen Objektiven mit dem Jöö-Effekt. Die Leica kann mit ihrem äusserst hochwertigen Alugehäuse im Audi-Design und einer wirklich gelungenen Touchscreen-Benutzeroberfläche auftrumpfen. Schon im Vorserienmodell, das der TA ausprobieren konnte, machte die Software einen sehr guten Eindruck. Vergleiche mit Apple kommen daher nicht von ungefähr. Mit dem Alugehäuse, den wenigen Knöpfen und dem hohen Preis verströmt die Leica T den Charme des iPhone-Herstellers.

Was spricht gegen die zwei? Der Sensor der NX Mini ist verglichen mit anderen Systemkameras doch eher klein, und die Bedienung könnte einfacher sein. Der hohe Preis der Leica darf nicht überraschen. Schliesslich richten sich Leica-Kameras an Kenner mit dickem Portemonnaie. Etwas enttäuschend ist allerdings, dass sich Leica nicht dazu durchringen konnte, einen bei Foto­enthusiasten gefragten Vollformatsensor einzubauen. Stattdessen steckt in der Leica T ein kleinerer Sensor im sogenannten APS-C-Format. In diesem Bereich hat derzeit Sony mit der viel beachteten A7-Reihe klar die Nase vorn. Gleich drei Systemkameras mit grossen Vollformatsensoren hat der japanische Konzern im Angebot, und andere Hersteller werden wohl bald nachziehen.

Kein Sucher und neue Objektive

Auffällig: Beide Kameras verzichten auf einen Sucher. Die NX Mini hat immerhin einen Klappbildschirm. Dafür kann man bei Leica für 600 Franken einen optionalen Sucher kaufen. Ob man einen solchen braucht, ist Geschmacksache. Unbestritten ist jedoch, dass man mit etwas Übung auch ohne vorzügliche Fotos schiessen kann.

Leider haben beide Kameras einen neuen Objektivanschluss, auch Bajonett genannt. Das macht neue Objektive nötig oder Adapter, um bestehende zu verwenden. Mit diesem Spiel haben sich aber die meisten Hobbyfotografen wohl bereits abgefunden. Kameragehäuse verwendet man ein paar Jahre lang. Aber ein gutes Objektiv begleitet einen oftmals ein Jahrzehnt oder länger.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.05.2014, 02:38 Uhr

Die NX Mini eignet sich für Selbstporträts und spezielle Perspektiven. Fotos: PD

Leica T

Sensor: APS-C CMOS
Auflösung: 16 Megapixel
Sucher: optional
Bildschirm: 3,7 Zoll (Touchscreen)
Gewicht: 384 Gramm
Preis: 1975 Franken

Samsung NX Mini

Sensor: 1-Zoll BSI-CMOS
Auflösung: 21 Megapixel
Sucher: keiner
Bildschirm: 3 Zoll (Touchscreen, klappbar)
Gewicht: 196 Gramm
Preis: 600 Franken

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Trigger für Höhenangst: Ein Besucher der Aussichtsplattform des King Power Mahanakhon Gebäudes in Bankok City posiert fürs Familienalbum auf 314 Meter über Boden. (16. November 2018)
(Bild: Narong Sangnak/EPA) Mehr...