Was kann man tun gegen Intoleranz?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum sozialen Umgang in sozialen Medien.

Da wird ständig in links und rechts unterteilt: Eierköpfe. Foto: iStock

Da wird ständig in links und rechts unterteilt: Eierköpfe. Foto: iStock

Peter Schneider@PSPresseschau

Seit es Facebook und Co. gibt, fällt mir auf, dass viele Menschen ziemlich intolerant zu sein scheinen. Wer bei einem Thema anderer Meinung ist, wird diffamiert und in Töpfe geworfen. Damit meine ich nun nicht einmal die «Trolle», die hirnlos gegen andere austeilen. Auch bei Menschen, die ansonsten scharfsinnig sind und sich Gedanken über die Welt machen, fällt es mir auf. Da wird ständig in links und rechts unterteilt oder in Schubladen geschoben – ohne die Menschen richtig zu kennen. Warum diese Verhärtung der Fronten? Was kann man dagegen tun? S.B.

Lieber Herr B.

Ich bin nicht auf Facebook, sondern nur auf Twitter aktiv. Aber in der Hinsicht, auf die Sie sich beziehen, dürften sich die Verhältnisse wohl gleichen. Trolle meide ich; was ich mag, sind die Selbstironie und die Albernheiten, die ich auf Twitter finde, neben allerlei nützlichen Hinweisen auf Artikel, Veranstaltungen und andere Aussagen, die ich sonst nicht gefunden hätte. Manchmal werde ich auch in Diskussionen verwickelt oder schalte mich in Auseinandersetzungen ein – vor allem, was politische und wissenschaftstheoretische Fragen angeht.

Bei den Menschen, denen ich folge, ist der Tonfall in der Regel höflich, aber oft – und jetzt kommt vermutlich das, was Sie meinen – auch sehr bestimmt. Für meinen Geschmack oft zu bestimmt. Das liegt sicher auch an der gebotenen Kürze; aber vermutlich nicht nur. Es könnte manchmal weniger apodiktisch zu- und hergehen, finde ich. Zum Beispiel wäre ein Literaturhinweis manchmal nützlicher als eine Abkanzelung.

Ich fürchte, man kann wenig dagegen tun – ausser mit gutem Beispiel vorangehen und so freundlich wie möglich miteinander umgehen.

Viele, vor allem politische Tweets sind vorhersehbar; manchmal habe ich Hemmungen, eine ironische Bemerkung anzubringen, weil ich nicht in endlose Diskussionen verwickelt werden möchte, vor allem von Leuten, deren Ansichten ich grosso modo teile, aber eben nicht ganz. Die Voten in den sozialen Medien neigen im Politischen und Gesellschaftlichen zur Polarisierung, und Polarisierung ist etwas, das ich nicht mag. Aber die meisten Medien lieben diese Art der Auseinandersetzung, und warum sollte das in den sozialen Medien anders sein?

Ich fürchte, man kann wenig dagegen tun – ausser mit gutem Beispiel vorangehen und so freundlich wie möglich miteinander umgehen. Wenn einer zuweilen etwas krause Ansichten verbreitet, muss man ja nicht immer das Schlimmste unterstellen; statt ihn zurechtzuweisen, kann man auch mal ein putziges Igelfüttervideo als Reply zur allgemeinen Entspannung twittern. Und jetzt, wo ich dies schreibe, übermannt mich der Eindruck: Das ist überhaupt die Lösung!


Der Psychoanalytiker Peter Schneider beantwortet jeden Mittwoch Fragen zur Philosophie des Alltagslebens. Senden Sie uns Ihre Fragen an gesellschaft@tagesanzeiger.ch

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