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Was tun gegen Konzert-Schwatzer?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Anstand im Konzertsaal.

Hier gilt: Du sollst hören, nicht reden. Foto: Pexels.com
Hier gilt: Du sollst hören, nicht reden. Foto: Pexels.com

Vor mir in der Tonhalle (jetzt Maag-Halle) sitzen zwei Herren, die während des Konzerts die ganze Zeit mit der Musik den Kopf hin und her oder von vorne nach hinten bewegen. Oft wird auch anerkennend getuschelt. Mittlerweile schliesse ich die Augen, weil ich es nicht mehr ertragen kann. Bin ich im Fehler? Und wenn nicht, darf ich etwas sagen? Mein Konzertgenuss ist wirklich ziemlich getrübt. M. S.

Liebe Frau S.,

meine Anteilnahme ist Ihnen sicher. Erst kürzlich sass bei Helge Schneider ein Mann vor mir, der wirklich wahnsinnig gross und breit war, wobei mich seine Schultern irritierten, weil die so steil nach unten abfielen. Dass aus einem derart breiten Hals derart hängende Schultern wachsen können, brachte mich total aus dem Konzept, und ich fragte mich auch, wie es anatomisch möglich ist, dass die sich mittels der Gewichte, die er offensichtlich stemmte, nicht irgendwie mehr nach oben ausbreiteten.

Jedenfalls: Der Mann bewegte sich unablässig von rechts nach links und wieder zurück und musste sich zudem nach jeder Pointe mit seiner Nachbarin austauschen oder ihr versichern, dass er den Witz kapiert habe. Das hatte zur Folge, dass ich ebenfalls permanent hin und her rutschen musste, um wenigstens hin und wieder was von der Bühne zu sehen. Das machte mich grantig. Aber ich schwieg. Und schmollte.

Wir zermürben die Pflöcke mit unserer Freundlichkeit!

Wir in dieser unserer kleinen Rubrik wollen aber nicht schmollen, denn das ist unsouverän. Stattdessen schreiten wir beherzt zur Tat, und zwar mittels folgenden Vorgehens: Antippen (wichtig: sanft). Lächeln (internationale Geste für «Ich komme in Frieden»). Hände zum Gebet falten (internationale Geste für «Bitte»). Zeigefinger auf die Lippen legen (internationale Geste für «Ruhe»). Nochmals lächeln. Nochmals Bitte-Geste, die praktischerweise auch «Danke» heisst.

Wenn das nichts nützen sollte, keines­falls resignieren. Sondern wieder tippen und lächeln und die Hände falten. Immer wieder. Beinhart.

Wir zermürben die Pflöcke mit unserer Freundlichkeit, liebe Frau S.

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