Hat ein Leben ohne Kinder Sinn?

Die Antwort auf eine entscheidende Lebensfrage.

Sind Kinder der Sinn des Lebens? Foto: Istock

Sind Kinder der Sinn des Lebens? Foto: Istock

Peter Schneider@PSPresseschau

Im Fragebogen «12 Antworten an Rita Fuhrer» habe ich gelesen: «Kinder sind das Schönste und Beste überhaupt. Sie sind Freude und Hoffnung, Sorge und Liebe, sind unsere Zukunft. Unsere Kinder und Enkel sind der Sinn und Inhalt meines Lebens.» Meiner Partnerin und mir war es leider nicht vergönnt, Kinder aufzustellen, Adoption war nie ein Thema. Trotzdem geniessen wir das Dasein. Ist unser Leben nun völlig ohne Sinn und Hoffnung?D. K.

Lieber Herr K.

Ach Quark. Sie wissen ja auch selbst, dass es nicht so ist. Solche Hymnen auf Kinder und Enkel sind wahrscheinlich meistens eine öffentliche Liebeserklärung an den Nachwuchs; und das ist recht so. Erstens, weil es häufig die (wenn auch kräftig idealisierte) Wahrheit ist. Und zweitens, weil alles andere eher nicht in die Öffentlichkeit gehört. Wer möchte schon seinen Kindern zumuten, in der Zeitung zu lesen, dass man eigentlich lieber kinderlos geblieben wäre, aber leider trotzdem den Nachwuchs auf die Welt gestellt hat, und dass man auch mit seinen Enkelkindern leider ebenso wenig anfangen kann wie schon zuvor mit den Kindern?

Alle diese Begründungen, warum man als Eltern zu besseren Menschen wird, sind furchtbares Geschwätz.

Darüber hinaus geht mir jede – nennen wir es einmal – Politisierung sowohl von Elternschaft als auch von Nicht-Elternschaft auf den Senkel. Weder ist es sinnvoll, Kinder zu haben, bzw. sinnlos, keine zu haben, noch ist es sinnvoll, keine zu haben, oder sinnlos, doch welche zu haben. Alle diese Begründungen, warum man als Eltern zu besseren Menschen wird, oder das Gejammer darüber, dass man mit jemandem, seit er/sie Kinder hat, nur noch übers Windelwechseln reden kann, sind furchtbares Geschwätz, das zwar in der Regel Onlinekommentare generiert, aber darum doch nicht unentbehrlich wird.

Das Thema ist derart ausgelutscht, dass man sich auf solche Diskussionen am besten erst gar nicht mehr einlässt: Denn wer sich, für welche Entscheidung oder Nicht-Entscheidung auch immer, rechtfertigt, klagt sich selbst an. Und das sollte man in dieser Frage nicht tun, nicht einmal in der Hoffnung auf einen Freispruch. Denn so wie Heterosexualität, Homosexualität, Bi- oder Asexualität – jede für sich gibt es in ganz verschiedenen Spielarten – Lebensformen sind, die einen geformt haben und die man selbst formt, so ist es auch mit Elternschaft oder Nicht-Elternschaft. Auch da gibt es viele Varianten – und zu begründen, warum man so und nicht anders leben sollte, ist nicht nur vergeblich, sondern auch rechthaberisch.

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