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Altersbestimmung bei Fischen Forscher bestimmen das Alter von Walhaien – dank Atomtests

Sie sind die grössten Fische der Welt – aber wie alt Walhaie sind, konnte man bislang nicht genau sagen. Nun haben Wissenschaftler eine zuverlässige Methode entwickelt – mithilfe von Zerfallsprodukten aus früheren Waffentests.

Der australische Meeresbiologe Mark Meekan schwimmt mit einem Walhai.
Der australische Meeresbiologe Mark Meekan schwimmt mit einem Walhai.
Foto: Wayne Osborn

Mithilfe der oberirdischen Atomtests vor rund 60 Jahren haben Wissenschaftler die Alterung von Walhaien bestimmt. Anhand des Zerfalls von Kohlenstoff-Isotopen berechnete das internationale Forscherteam, dass in den Wirbeln der Tiere jedes Jahr Wachstumsbänder entstehen – ähnlich wie bei Baumringen. Damit konnten sie das Alter zweier in Pakistan und Taiwan konservierter Walhaie zuverlässig bestimmen, wie sie im Fachblatt «Frontiers in Marine Science» berichten. Bislang war nach Angaben des Teams um Joyce Ong von der Rutgers University in New Brunswick (US-Staat New Jersey) umstritten, ob sich Wachstumsbänder zur Altersbestimmung eignen.

Der Walhai (Rhincodon typus) ist mit einer Länge bis zu 14 Metern der grösste Fisch der Welt. Wegen weltweit sinkender Bestände wird die Art auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als stark gefährdet eingestuft. «Obwohl sich unser Verständnis von Mobilität, Verhalten, Vernetzungsgrad und Verteilung von Walhaien in den letzten zehn Jahren drastisch verbessert hat, bleiben grundlegende Daten zur Lebensgeschichte wie Alter, Lebensdauer und Sterblichkeit unbekannt», schreibt das Team.

Wirbel enthalten Wachstumsbänder

Für den Schutz der Tiere sei eine zuverlässige Altersbestimmung entscheidend. Bei Knochenfischen kann man dazu die sogenannten Otolithen untersuchen – Gehörsteine im Schädel, die Wachstumsringe enthalten. Knorpelfische wie Haie und Rochen haben diese Strukturen nicht. Sie enthalten aber an den Wirbeln Wachstumsbänder, deren Zahl mit dem Alter steigt. Umstritten war den Forschern zufolge vor allem, ob sie jährlich oder halbjährlich gebildet werden.

Diese Frage klärte das Team mithilfe der oberirdischen Atomtests, die die USA, die Sowjetunion, China, Frankreich und Grossbritannien während der 1950er- bis in die 1960er-Jahre durchführten. Die Tests steigerten in der Atmosphäre und auch in den Ozeanen den Gehalt des Kohlenstoff-Isotops C-14 deutlich. Das Isotop wird von Lebewesen über Luft, Wasser und Nahrung aufgenommen und lagert sich im Körper ein. Da es in der Umgebung stetig zerfällt, gibt die Konzentration im Körpergewebe Aufschluss über den Zeitpunkt der Einlagerung. Das Resultat glichen die Forscher mit der Zahl der Wachstumsringe in den Walhai-Wirbeln ab.

Dazu untersuchte das Team Halswirbel zweier Walhaie, die in Pakistan im Jahr 2012 und in Taiwan 2005 angelandet waren. Das zehn Meter lange und sieben Tonnen schwere Weibchen aus Pakistan war demnach 50 Jahre alt, das fast ebenso lange Männchen aus Taiwan mit einem Gewicht von 8,5 Tonnen 35 Jahre alt.

«Wir fanden heraus, dass definitiv ein Wachstumsring pro Jahr gebildet wurde.»

Mark Meekan

«Wir fanden heraus, dass definitiv ein Wachstumsring pro Jahr gebildet wurde», wird Co-Autor Mark Meekan vom Australian Institute of Marine Science in Perth in einer Mitteilung seiner Einrichtung zitiert. «Frühere Studien haben darauf hingedeutet, dass die grössten Walhaie bis zu 100 Jahre alt werden können. Unsere Studie zeigt, dass die Haie tatsächlich sehr alt werden können.»

Anhand der Altersbestimmung könne man nun die Wachstumsrate der Tiere und andere demografische Daten wie etwa Geschlechtsreife und Mortalität zuverlässig bestimmen, betont das Team. Dies sei nötig, um Strategien zum Schutz der Art zu entwickeln.

Mithilfe der oberirdischen Atomtests haben Forscher schon etliche Erkenntnisse gewonnen – etwa, dass sich Gelenkknorpel beim Menschen im Erwachsenenalter nicht mehr neu bildet, dass Hirnzellen dagegen noch bis ins hohe Alter entstehen. Auch Fälschungen von Gemälden lassen sich so mitunter ermitteln.