Fifa und Menschenrechte: Die Nagelprobe steht noch bevor

Russland verletzt auch rund um die Fussball-WM die Rechte der Bürger. Der Weltfussballverband bleibt seltsam passiv. Ein solcher Fall darf sich nicht wiederholen.

Peter Burkhardt@PeterBurkhardt

Unter Druck der Öffentlichkeit und von Sponsoren versprach der Weltfussballverband Fifa vor vier Jahren, er setze sich ab jetzt für die Einhaltung der Menschenrechte im Rahmen der Fussball-Weltmeisterschaften ein. Doch vor der WM in Russland zeigt sich, dass dies nur ein Lippenbekenntnis geblieben ist. Fifa-Präsident Gianni Infantino bleibt gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, der die Menschenrechte mit Füssen tritt, seltsam passiv. Er rechtfertigt sogar ein Dekret von Putin, das dem allmächtigen Regime noch mehr Gewaltmittel gibt, um unliebsame Demonstranten niederzuknüppeln.

Der entscheidende Fehler geschah jedoch nicht unter Infantino, sondern unter seinem Vorgänger Joseph Blatter, als Russland die WM zugeschanzt wurde. Ihm ist zugutezuhalten, dass unter ihm eine Menschenrechtspolitik angestossen wurde, die zumindest dem Papier nach gut klingt. Die entscheidende Passage ist jene, dass künftig nur noch jene Länder eine Fussball-WM austragen dürfen, die sich bereits bei der Bewerbung vertraglich dazu verpflichten, die Menschenrechte einzuhalten.

Das bedeutet nicht, dass ein autoritär geführter Staat wie Russland keine Sport-Grossanlässe mehr durchführen darf. Aber die Regierung darf friedliche Demonstrationen gegen die Spiele nicht unterdrücken. Sie muss die Pressefreiheit gewährleisten, die Arbeiter in den Stadien vor Unfällen und Ausbeutung schützen und jede Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen unterlassen.

Die Nagelprobe, wie ernst es der Fifa damit ist, steht kurz bevor. Am 13. Juni entscheidet sie, ob die Fussball-WM 2026 in den USA, in Kanada und Mexiko ausgetragen wird – oder aber in Marokko, einem Land, das die Menschenrechte wiederholt verletzte. Die Fifa selbst listet in einem neuen Bericht zu den Bewerbungen etliche «Risiken» auf, wie Diskriminierung von Homosexuellen oder die Verletzung der Rechte von Arbeitern.

Sollte Marokko dennoch den Zuschlag erhalten, muss die Fifa vertraglich ausschliessen, dass es zu solchen Verletzungen kommt. Diese Bestimmungen sollte sie öffentlich machen. Und dem Land schlimmstenfalls die WM entziehen, falls es sich nicht daran hält. Sonst verliert die Fifa jede Glaubwürdigkeit.

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