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Trauerspiel in SpaFerrari blamiert sich bis auf die Knochen

Selbst Räikkönen ist in Belgien schneller als Vettel und Leclerc. Und dann jagt Sieger Hamilton erst noch die Rekorde von Ferrari-Held Schumacher.

Rang 14, direkt hinter Teamkollege Sebastian Vettel: Hoffnungsträger Charles Leclerc ist mit Ferrari im Tiefflug.
Rang 14, direkt hinter Teamkollege Sebastian Vettel: Hoffnungsträger Charles Leclerc ist mit Ferrari im Tiefflug.
Foto: Keystone

Allerletzte Runde, noch ein, zwei Kurven: Charles Leclerc, Jungstar von Ferrari, Hoffnungsträger einer ganzer Nation, ein Mann mit der Aura des unvergleichlichen Ayrton Senna, so sagen einige, versucht es noch einmal. Und tatsächlich: Der 22-jährige Monegasse, Sieger im Vorjahr in Belgien, kommt noch vorbei am Auto vor ihmund direkt hinter Teamkollege Sebastian Vettel ins Ziel.

Doch keiner jubelt. Leclercs Gegner bei dieser Hetzjagd über mehrere Runden? Romain Grosjean, Fahrer des Haas-Teams, ohne Punkt Letzter des WM-Klassements.

Zittern vor Monza

Es ist in diesen Tagen nicht mehr so, dass Ferrari nur Probleme hätte und ein Schatten seiner selbst wäre. Der Rennstall blamiert sich bis auf die Knochen. Die Ränge 13 und 14 gibt es in den Ardennen für das Duo, das am Funk zunehmend frustriert klingt, abgelöscht, es gibt es auch, dass sie auf Fragen vom Kommandostand schon gar nicht mehr reagieren. Sie, die Fahrer der stolzen Scuderia, kämpfen auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Spa-Francorchamps gegen Piloten von Ferrari-Kundenteams.

Und verlieren gar ein Duell, weil Kimi Räikkönen alles aus seinem Alfa Romeo holt und das Rennen als Zwölfter beendet. Es bleibt für das Schweizer Team damit zwar beim bescheidenen Kontostand von 2 Punkten, die Antonio Giovinazzi gleich beim Auftakt in Spielberg holte. Ein geschichtsträchtiger Moment ist es dennoch. Und mehr als nur eine Ohrfeige für Ferrari.

Am nächsten Wochenende steht Monza auf dem Programm, herbeigesehntes Heimspiel für die Ferraristi in gewöhnlichen Zeiten. Nun dürften sie zittern vor dem Auftritt im Autodromo, in dem es ebenso ums Tempobolzen geht wie in Belgien. Der Trost: Auf den Rängen sitzt keiner, der entsetzt darauf blicken könnte, was sich auf der Strecke abspielt.

In Belgien aber hockt einer auf dem Sessel und vergräbt sein Gesicht in den Händen, als er das rote Trauerspiel sieht: Carlos Sainz junior, Zuschauer, weil sein McLaren noch vor dem Start bockt. Und: künftiger Pilot von Ferrari. Es hätte ein Aufstieg werden sollen. Es scheint, als könnte er viel tiefer nicht mehr fallen.

Heftiger Crash von Giovinazzi

Dass Vettel und Leclerc nicht gleich von beiden Alfa-Romeo-Fahrern düpiert wurden, liegt an Giovinazzi, der in Runde 11 die Kontrolle über seinen Wagen verliert und heftig in die Reifenstapel kracht. Räikkönen kommt gerade noch vorbei, George Russell im Williams versucht, einem herumfliegenden Rad auszuweichen, und landet ebenfalls in der Streckenbegrenzung. Es ist einer der wenigen Aufreger an diesem Sonntag, der vor allem für das Trio ganz vorne ziemlich frei von Hektik verläuft.

Die Crashs von Giovinazzi und Russell im Video.
Video: SRF

Lewis Hamilton vor Valtteri Bottas und Max Verstappen: So, wie die ersten drei gestartet sind, kommen sie auch ins Ziel. Da mochte Hamiltons rechter Vorderreifen noch so Probleme machen und Bottas linker Fuss Taubheitssymptome aufweisen: Verstappen im Red Bull war chancenlos gegen die Mercedes-Piloten. «Ziemlich langweilig» fand der Niederländer dieses siebte von geplant 17 Rennen.

47 Punkte Vorsprung hat Hamilton in der WM nun auf Verstappen. Alles andere als der siebte Titel für den Briten wäre eine grosse Überraschung. Er würde damit den Fabel-Bestwert von Michael Schumacher egalisieren.

Auf der anderen Seite der Gefühlsskala: Lewis Hamilton, Mercedes’ Dauersieger und Rekordjäger.
Auf der anderen Seite der Gefühlsskala: Lewis Hamilton, Mercedes’ Dauersieger und Rekordjäger.
Foto: Keystone

Überhaupt ist der 35-Jährige in dieser Verfassung eigentlich vor allem noch Rekordjäger. In Belgien hat er Schumacher schon einmal in Sachen meistgefahrener Führungskilometer abgelöst. Sagenhafte 24’110 Kilometer war der Deutsche vorneweg gefahren, zur Hälfte des Grand Prix von Belgien hatte Hamilton diesen Wert übertrumpft. Und nach seinem 89. Sieg fehlen ihm nur noch zwei bis zur Bestmarke Schumachers.

In zwei Wochen könnte er in Mugello gleichziehen mit dem einstigen Helden Ferraris. Es wäre ein nächster heftiger Schlag für den traditionsreichsten Rennstall der Formel 1: In der Toskana tritt er an zu seinem 1000. Grand Prix.