Zum Hauptinhalt springen

Kommentar zur Öffnung der SchulenFehlt das Vertrauen, bleiben Schüler daheim

Es ist richtig, dass die Berner Bildungsdirektorin Christine Häsler Ausnahmen ermöglicht. Wer Angst hat, soll nicht in die Schule gehen müssen.

Der Weg zurück ins Schulhaus ist heikel.
Der Weg zurück ins Schulhaus ist heikel.
Foto: Adrian Moser

Die Berner Bildungsdirektion hat viele Fragen zur Öffnung der Schulen beantwortet: Es gibt definitiv keine Maturaprüfungen, die Lehrerinnen und Lehrer müssen nicht Fern- und Präsenzunterricht gleichzeitig stemmen und Turnen ist möglich aber ohne Fussball.

Dennoch wird am 11. Mai, wenn in den Gemeinden die Schulen ihre Türen öffnen, nicht jedes Detail geregelt sein. So sehr sich das die Eltern und Lehrpersonen wünschen mögen – es ist unmöglich.

Das Krisenmanagement der Kantone hat nur bedingt überzeugt.

Hingegen sollen die Behörden jenen mit massiven Bedenken entgegenkommen und einzelnen Schülern und Lehrpersonen erlauben, daheim zu bleiben. Es ist wichtig, dass Bildungsdirektorin Christine Häsler auf dem heiklen Weg zurück ins Schulhaus behutsam vorgeht. Denn fehlt das Vertrauen, behalten Eltern ihre Kinder wie in Dänemark daheim. Kommt dazu, dass Häsler auch nicht mehr weiss als die Experten: Ob beispielsweise Kinder das Virus kaum verbreiten, wird von den Fachleuten kontrovers diskutiert. Häsler muss also wachsam bleiben und nötigenfalls rasch reagieren.

Nach fast zwei Monaten Notrecht übernehmen jetzt langsam wieder die Schulen die Führung. Das gemeinsame Krisenmanagement der Kantone hat zuvor nur bedingt überzeugt. Dass sie nun etwa bei den Maturaprüfungen uneinheitlich vorgehen, ist dabei nicht das Problem; die Bildungsqualität leidet kaum darunter, und die Ausgangslage an den Schulen ist tatsächlich unterschiedlich.

Ärgerlicher als der viel gescholtene Flickenteppich bleibt, dass Lehrpersonen und Schüler so lange im Ungewissen gelassen wurden, nur weil sich die Bildungsdirektoren nicht einigen konnten.