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Kein Training wegen CoronakriseFederer: «Vielleicht braucht die Welt diesen Neustart»

Angesichts der Corona-Krise sprach Federer mit seinem alten brasilianischen Rivalen Guga Kuerten per Video erstmals öffentlich ernsthaft über die Pandemie.

Roger Federer scherzt mit Gustavo Kuerten.
Instagram

Brasilien hat mit offiziell 347’398 Infizierten nun schon am meisten Corona-Fälle nach den USA, und die Fallzahlen steigen weiter rasant. Um nicht tatenlos zuzusehen, lancierte Brasiliens früherer Tennisheld Gustavo Kuerten einen Video-Konferenzanruf mit Roger Federer und Novak Djokovic, um sie für ihren Support für die Aktion «Winning together» – «gemeinsam gewinnen» – zu bitten. Damit soll in Brasilien über 30’000 Familien geholfen werden.

«Wenn du anrufst, bin ich immer für dich da. Denn du warst immer einer meiner Lieblingsspieler», sagte Federer, der aus der Schweiz zugeschaltet war. Es liess keinen Zweifel offen, wie sehr ihn diese Epidemie berührt. «Wir müssen da alle gemeinsam durch, die ganze Welt liegt vor dem Virus auf den Knien.» Der 20-fache Grand-Slam-Sieger appellierte an alle, sich gegenseitig zu unterstützen. «Es spielt keine Rolle, ob wir in der Schweiz oder in Brasilien sind. Alle sind besorgt, es gibt wenig verlässliche Informationen, und wir kämpfen gegen einen unsichtbaren Feind. Deshalb müssen wir uns gegenseitig helfen.»

Neustart nach der Pandemie

Federer erwartet schwerwiegende Langzeitfolgen dieser Pandemie. «Wir dürfen das Problem der mentalen Gesundheit nicht unterschätzen. Es ist wichtig, Hilfe zu suchen oder sich gegenseitig zu unterstützen, wenn es vorbei sein wird.» Der 38-jährige gab sich auch grundsätzlich, als er sagte: «Das war ein Neustart, den die Leute und die Welt vielleicht brauchten.»

Wieder einmal philosophisch wurde derweil Djokovic. «Das ist psychologisch und spirituell ein Weckruf, um zu verstehen, wer wir wirklich sind und was wirklich zählt – nämlich die Gesundheit und die Familie. Aber wie viele Leute leben ihr Leben wirklich entsprechend?» Jetzt hätten für einmal aber alle Zeit, um sich viel mehr mit den Ehepartnern und den Kindern zu beschäftigen.

Alte Weggefährten: 2004 unterlag Federer dem Brasilianer Gustavo Kuerten in Roland Garros 4:6, 4:6, 4:6.
Alte Weggefährten: 2004 unterlag Federer dem Brasilianer Gustavo Kuerten in Roland Garros 4:6, 4:6, 4:6.
KEYSTONE

Das Ziel von Gustavo Kuerten, einem dreifachen French-Open-Sieger, und anderen brasilianischen Sportspersönlichkeiten, ist es, weltweit 10 Millionen Dollar zu sammeln durch diese Aktion «vencendo juntos». Die Hilfsaktion wurde am Samstag von einer grossen TV-Show in Brasilien unterstützt.

Im Gespräch mit Kuerten gab Federer auch zu, dass er momentan das Training eingestellt hat. «Ehrlich gesagt, sehe ich darin keinen Zweck. Ich bin zufrieden mit meinem körperlichen Zustand, aber ich denke, dass noch viel Zeit vergehen wird, bis es wieder losgeht. Meiner Meinung nach ist es im jetzigen Zeitpunkt meiner Karriere wichtig, von dieser Pause mental zu profitieren, nachdem ich schon so viel Tennis gespielt habe. Die Tennistour fehlt mir nicht sonderlich. Das wird der Fall sein, wenn es wieder losgeht und ich mich auf die Wettkämpfe vorbereite. Dann werde ich supermotiviert sein.»

Federer machte auch klar, dass er gegen Turniere vor leeren Zuschauerrängen ist. «Ich hoffe, dass es nicht dazu kommen wird. Ich würde lieber ein wenig länger warten, dafür dann wieder vor Publikum spielen, wie früher. Oder dass die grossen Courts mindestens zur Hälfte oder einem Drittel gefüllt sind.»

Manchmal machen wir uns gegenseitig verrückt.

Roger Federer

Auch er profitiere momentan davon, viel Zeit mit seiner Familie zu verbringen. «Wir waren nie länger als fünf Wochen in Folge zuhause, seit meiner ersten Knieoperation 2016. Das ist ein grosser Moment für uns, als Familie.» Dabei gab er zu: «Manchmal machen wir uns gegenseitig verrückt, wie alle Familien. Aber wir sind bei guter Gesundheit, unsere Freunde und unsere Familie haben das Virus nicht gehabt. Trotz den schwierigen Umständen geht es uns gut.»

Für Djokovic ist derweil ohnehin klar: «Das Leben und Gott haben positive Pläne für uns alle. Daran glaube ich. Auch für Brasilien. Ich liebe euch alle.»