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Euro 08: «Bern zog das grosse Los»

Ein Bild, das uns nicht mehr aus dem Kopf geht: Holländische Fans auf dem Bundesplatz. (Beat Schweizer)
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Was bleibt von der Fussball-Europameisterschaft Euro 08 in Erinnerung? Professor Hansruedi Müller vom Forschungsinstitut für Freizeit und Tourismus der Universität Bern erinnert an die orange gekleidete Menge beim Public Viewing auf dem Bundesplatz. «Alle fieberten mit der holländischen Fussballnationalmannschaft mit. Dieses Bild wird unserer Generation nicht mehr aus dem Kopf gehen.»

Mit den Holländern habe Bern als Austragungsort der Spiele das grosse Los gezogen. «Die Euro 08 war im Prinzip ein grosses Fest. Damit hat es sich.» Der Euro-Delegierte Benedikt Weibel habe bereits vor dem Fussballfest darauf hingewiesen, dass grosse Hoffnungen bezüglich Wertschöpfung und Imagegewinn nicht zu erwarten seien, sagt Müller.

Ausgabefreudige Hotelgäste

Was Weibel vor der Euro 08 angetönt hatte, ist nun in einer 566-seitigen Studie erwiesen, die unter der Leitung von Müller verfasst wurde. Gemäss dem Schlussbericht zu den Gesamtwirkungen des Ereignisses hat dieses eine Wertschöpfung von einer Milliarde Franken erzeugt, was 0,18 Prozent des Bruttoinlandproduktes entspricht. Der Beitrag der Besucher zur Wertschöpfung lag mit 294 Millionen Franken «in der unteren Hälfte» der Schätzungen. Ein Grund hierfür ist der Verdrängungseffekt in der Hotellerie und im Tourismus. So habe zum Beispiel die Jungfraubahn im Juni 2008 tiefe Frequenzen zu verzeichnen gehabt, sagt Müller. «Diese Flaute wurde später kompensiert.» Auch die Logiernächte-Zahlen in der Stadtberner Hotellerie seien tief gewesen. Die Studie zeige nun aber auf, «dass die Gäste ausgabefreudiger waren», sagt Müller. «Die Übernachtungszahlen wurden über den Preis kompensiert.» Die relativ tiefe Zahl der Hotelübernachtungen hänge aber auch mit den unterschiedlichen Übernachtungsformen der Fans aus den verschiedenen Gastländern zusammen. So hätten die Fans diverser Länder ihre Nächte nicht in Hotelzimmern verbracht, sagt Müller. Differenzierte Aussagen seien nun auch über den Gebrauch der Verkehrsmittel möglich. So seien die öffentlichen Verkehrsmittel vom und zum Stadion sowie im Inland gut benutzt worden. «Die Anreise vom Ausland her erfolgte jedoch mehrheitlich per Auto oder Flugzeug», sagt Müller.

«An der Grenze des Machbaren»

Laut Müller richtet sich die Studie auch an Orte, «die Grösseres im Sinn haben», etwa eine Bewerbung für die Durchführung Olympischer Winterspiele in den Jahren 2022, 2026 oder 2030. Überlegungen dazu würden zurzeit in Genf aber auch in einer Arbeitsgruppe von Swiss Olympic angestellt. «Die Studie soll für ähnliche Vorhaben Entscheidungsgrundlagen liefern», sagt Müller.

Stadt und Kanton Bern, die sich einst erfolglos für die Olympischen Winterspiele 2010 beworben hatten, werden sicher nicht dazugehören. «Für eine Stadt wie Bern war die Euro 08 an der Grenze des Machbaren», sagt Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP). Bern sei wohl derjenige Austragungsort gewesen, der die Leute am meisten habe begeistern können. «Und jetzt wissen wir auch, dass sogar das investierte Geld wieder zurückgeflossen ist.» Nicht messbar seien hingegen die Sympathien, die Bern gewonnen habe. Laut Tschäppät darf sich eine Sportstadt aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Sie muss ständig am Ball bleiben. Der nächste Anlass wird die Eiskunstlauf-WM 2011 sein. «Wir wollen Anlässe mit bescheidenen Mitteln und ohne grosse Investitionen in die Infrastruktur durchführen», sagt Tschäppät.