«Hätte nicht gedacht, dass ich ständig von Leuten angesprochen werde»

Stadtpräsident Alec von Graffenried verteidigte bei «‹Bund im Gespräch›» seine Moderatorenrolle.

Video/Stream: crosscam.ch

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ganz neu ist er nicht mehr, die grossen Stricke zerrissen hat er aber noch nicht: Höchste Zeit also, Berns Stadtpräsidenten Alec von Graffenried (GFL) im «‹Bund› im Gespräch» auf den Zahn zu fühlen. Es sei verdächtig still, befand «Bund»-Redaktor Bernhard Ott und fragte unter dem Gelächter der Abonnentinnen und Abonnenten im voll besetzten Bellevue-Saal: «Was machen Sie eigentlich den ganzen Tag?» «Nichts», scherzte der Stapi – und fügte bei, Ruhe sei kein schlechtes Zeichen, auch wenn es die Medien lieber anders hätten: «Sie sind immer da, wenn es Mais gibt.» Bern entwickle sich gut, habe den lange vernachlässigten Wohnungsbau forciert, die Schulden abgebaut und Eigenkapital geäufnet. Ob er immer noch für eine Steuersenkung sei, hakte Ott nach. Der Gemeinderat habe anders entschieden, gab von Graffenried trocken zurück, er halte sich ans Kollegialitätsprinzip.

Lieber Moderator als Zünglein

Die von ihm angestrebte Funktion als Zünglein an der Waage sei durch die links-grüne 4:1-Mehrheit im Gemeinderat obsolet geworden, sagte Ott, nun marschiere von Graffenried mit der Mehrheit, ohne etwas zu gestalten. «Die Rolle als Moderator ist eine vornehme, und sie liegt mir», erwiderte der Stadtpräsident. Aber er bemühe sich, die Anliegen der starken bürgerlichen Minderheit in der Stadt aufzunehmen. Doch es sei einfach so, dass zum Beispiel die RGM-Verkehrspolitik den Quartieren die Lebensqualität zurückgegeben habe, in vielen Städten werde das so gemacht. «Es ist das Malaise der Bürgerlichen, dass sie diese Politik nicht mittragen.»

Ein Teil des Gesprächs drehte sich um das Berner Nachtleben, dessen heutigen Charakter – inklusive Reitschule und Umgebung – viele der Anwesenden wohl nur aus Schilderungen ihrer Enkel kennen. Von Graffenried hat als Jüngling die Jugendbewegung aus der dritten Reihe verfolgt und sonst ein eher langweiliges Bern erlebt. Er gab seiner Sorge Ausdruck, dass sich zu junge Menschen an Orten aufhielten, an denen es unter Alkoholeinfluss manchmal zu gefährlichen Situationen komme.

«Daher wolle die Stadt Orte anbieten wie den Gaskessel oder den Jugendclub an der Nägeligasse, wo sich auch 15-Jährige problemlos aufhalten könnten. Allerdings gibt es gegen letzteres Projekt bereits Beschwerden wegen möglicher Lärmbelästigungen. «Wir leben in einer herausfordernden, aber interessanten Zeit», fand der Stapi. «Die Zukunft ist vielversprechend.»

Als Stadtpräsident ist von Graffenried doch schon so stark in seinem Amt angekommen, dass seine Frau nicht mehr gerne mit ihm durch die Stadt spaziert: «Weil ich an jeder Ecke von jemandem angesprochen werde.» Das habe er sich nicht ganz so vorgestellt. Und was war der bisher peinlichste Moment in seiner Amtszeit? «Dass ich vorhin die Carte blanche bei der Begrüssung versiebt habe», enthüllte der Stapi freimütig – und hatte den Applaus des Publikums auf seiner Seite. (Der Bund)

Erstellt: 04.07.2017, 06:55 Uhr

Partner "Der Bund im Gespräch"

Alec von Graffenried, Stadtpräsident

Abo

Das digitale Monatsabo für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital ohne Einschränkungen. Für nur CHF 32.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Zum Runden Leder Zum Glück zurück

Outdoor Dieses Abenteuer macht eine Gruppe zum Team

Werbung

Volltreffer! Die Fussballkolumne.

Grädel schreibt über Fussball und die Welt. Wenn einer in Bern und Umgebung echten Fussballsachverstand hat, dann er.

Die Welt in Bildern

Teilnehmer des jährlichen «North East Skinny Dip» rennen in das Meer bei Druridge Bay in England. (23. September 2018)
(Bild: Scott Heppell) Mehr...