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9 Fakten zur Jazzlegende«Ich spiele wie ein Maler» – Chick Coreas Geheimnis

Seine Lehrer, seine Erben, sein Rekord: Einblicke in das musikalische Universum des am 9. Februar verstorbenen Jazzpianisten Chick Corea.

Chick Corea beim Montreux Jazz Festival, 2011.
Chick Corea beim Montreux Jazz Festival, 2011.
Foto: Keystone

Sein Geheimnis

Was macht Chick Coreas Musik aus? Will man die ungemeine Vielfalt auf einen Punkt bringen, wäre es vielleicht dieser: Er konnte seine Hände wirklich bemerkenswert unabhängig voneinander einsetzen.

Seine Lehrer

Viele Musiker haben Chick Corea geprägt: der Konzertpianist Salvatore Sullo zum Beispiel, in dessen Klavierstunden er als Achtjähriger Bach, Beethoven und Chopin entdeckte. Oder der Jazzpianist Horace Silver, von dem er zahlreiche Soli transkribiert hat. Oder John Cage, mit dem er die Vorliebe für präparierte Klaviere teilte. Oder Miles Davis, mit dem er intensiv zusammengearbeitet hat. Oder Alban Berg, dessen Klaviersonate op. 1 er als sein Lieblingsstück bezeichnete.

Er denke nicht über Stile nach, sagte er einmal – er verwende, was er für seine Musik brauche.

Seine Religion

Chick Corea war überzeugter Scientologe. 1982 steuerte er drei Stücke zu Ron Hubbards Album «Space Jazz» bei, auf vielen eigenen Alben nannte er den Scientology-Gründer bei den Danksagungen. Seit 1997 lebte er in Clearwater, Florida – wo sich auch das Zentrum der Church of Scientolgy befindet.

Sein Lieblings-Klassiker

Wie sein Kollege Keith Jarrett und viele andere Jazzer hatte auch Chick Corea ein besonderes Interesse für Mozart – der bekanntlich ebenfalls ein grandioser Improvisator war. 1996 spielte Corea zusammen mit Bobby McFerrin und dem Saint Paul Chamber Orchestra die «Mozart Sessions» ein; dabei verlängerten sie zwei originale Klavierkonzerte in den Kadenzen und in diversen Zwischenspielen in die musikalische Gegenwart.

Seine Verbündeten

Herbie Hancock und die Foo Fighters, Keith Jarrett und Al Di Meola, Miles Davis und das London Philharmonic Orchestra, Banjo-Spieler Béla Fleck und Schlagzeugerin Sheila E.: Chick Corea hat mit ihnen allen und vielen weiteren zusammengespielt. Wie breit sein musikalischer Horizont war, lässt sich allein an dieser Liste ablesen.

Seine Erben

Chick Corea hat viele beeinflusst – aus entsprechend vielen verschiedenen Ecken kommen nun die Beileidsbekundungen. Besonders geschätzt wurde er offenbar in der Hip-Hop-Szene: Q-Tip rühmte ihn als «one of the coldest pianists/keyboardists/songwriters of all time», während Biz Markie sein Werk als «unerschöpfliche Fundgrube für Rap-Samples» würdigte.

Sein Rekord

Zwei Trophäen von insgesamt 23: Chick Corea bei den Grammy Awards 2015.
Zwei Trophäen von insgesamt 23: Chick Corea bei den Grammy Awards 2015.
Foto: Keystone

Keine hat so viele Jazz-Grammys gesammelt wie er: nämlich 23.

Seine Porträts

Chick Corea holte immer wieder Freiwillige auf die Bühne. Die durften sich dann neben seinen Flügel setzen – und er improvisierte musikalische Porträts. Während des Lockdown übertrug er das Konzept auch in die digitale Welt. «Während ich spiele, schaue ich die Leute an, wie ein Maler das tun würde», sagte er dazu. «Ich versuche, zu sehen, ob sie einverstanden sind mit dem, was ich spiele. Und ob sie es als Porträt erkennen. Normalerweise funktioniert es.»

Seine Abschiedsworte

Auf seiner Facebook-Seite verabschiedet sich Chick Corea von seinen Fans mit einem Dank an alle – und der Bitte, weiterzumachen: «Es ist meine Hoffnung, dass alle, die eine Neigung zum Spielen, Schreiben, Aufführen haben, das auch tun … Es ist nicht nur so, dass die Welt mehr Künstler braucht, es macht auch einfach sehr viel Spass.»

1 Kommentar
    Peter Simmonds

    Seine Live Konzerte waren sehr berührend. Corea strahlte und er strahlte noch mehr, wenn er spielte. Er bat darum, auch auf der Bühne Stühle aufstellen zu lassen, so dass sein Publikum auch in seiner Nähe war. Und er lud Menschen aus dem Publikum zu sich ans Klavier um gemeinsam zu improvisieren. Da kamen Musikintellektuelle, kompetente Amateuere und Kinder und er ging musikalisch auf sie ein. Da war so viel Spiel- und Lebensfreude und null Ego. Was für ein Unterschied zu den Heerscharen von Leuten im beruflichen Alltag, die mit Arroganz und Machtgehabe etwas darstellen wollen, was sie nicht sind (und nie sein werden).