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Kommentar zum Great Barrier ReefEs ist zu spät für die Korallen

Das Great Barrier Reef stirbt, die Untätigkeit im Klimaschutz ist schuld.

Das Great Barrier Reef in Australien wird immer stärker gebleicht – und stirbt unaufhaltsam ab.
Das Great Barrier Reef in Australien wird immer stärker gebleicht – und stirbt unaufhaltsam ab.
Foto: VQH

Es ist eine Sache, wenn vor etwas lange gewarnt wird. Es ist eine ganz andere, wenn es dann wirklich eintritt. Seit langem weiss man, dass es Korallen im immer wärmeren Meer schlecht geht. In zu kurzer Abfolge finden die gefürchteten Bleichen statt, bei denen die Korallenpolypen im Hitzestress die Algen abstossen, mit denen sie in Symbiose leben. Teile des Riffs können danach aussehen wie Unterwasserfriedhöfe; weisse, tote Korallenskelette, von Seetang überwachsen statt des farbenfrohen Artenreichtums, der ein lebendes Riff ausmacht.

Sogar dieses riesige, stabile Ökosystem ist wehrlos, wenn der Klimawandel zuschlägt.

Selbst nach solchen Katastrophen kann sich ein Riff erholen, wenn sich neue Korallen ansiedeln, aber das braucht Zeit. Kommt die nächste Bleiche zu schnell, hat die Natur keine Chance. Forscher haben jetzt dokumentiert, dass am grössten Riff der Erde, dem Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens, nach den Bleichen der vergangenen Jahre vielerorts mehr als die Hälfte der Korallen verschwunden ist. Fast alle Arten haben Verluste erlitten, und mangels Elternkorallen gibt es viel zu wenig neue, junge Exemplare. Der Studie zufolge sterben kleine und mittlere genauso wie grosse Korallen; betroffen sind zudem sämtliche Arten. Auch die Heimat innerhalb des Riffs spielt keine Rolle: Die Nesseltiere verenden auf Riffkämmen genauso wie an den Hängen, im flachen ebenso wie im tiefen Wasser. Das grosse Korallensterben, so scheint es, macht vor keinem der Tiere halt.

Sogar dieses riesige, stabile Ökosystem ist wehrlos, wenn der Klimawandel zuschlägt. Man musste damit rechnen, nun sieht man, wie es passiert. Was immer die globalen Klimaschutz-Anstrengungen bringen: Für die Korallen kommt es wohl zu spät.

24 Kommentare
    Klaus Scheidt

    mmer wieder kommt es in den tropischen Meeren zu schlimmen Korallenbleichen, die den Medien dramatische Bilder liefern. Wenn sich das Meerwasser über die normalen Temperaturen hinaus erhitzt, stoßen Korallen ihre symbiontischen Algen ab. Diese auch „Zooxanthellen“ genannten Algen leben in den Zellen der Korallenpolypen und stellen der Koralle 90% des benötigten Energiebedarfs in Form von Glukose, Glycerol, Aminosäuren und Sauerstoff zur Verfügung. Die Koralle bleicht nach dem Abstoßen der Algen aus und leidet in der Folge unter dem stark eingeschränkten Energieangebot. Ein Teil der gebleichten Korallen stirbt, ein anderer Teil erholt sich wieder. Es wird befürchtet, dass es im Zuge der Klimaerwärmung zu immer häufigeren Korallenbleichen kommen könnte und die Korallenriffe hierdurch an einen Kipppunkt geraten, bei dessen Überschreiten der Großteil der Korallenriffe weltweit unwiederbringlich verloren gehen würde. Eine sehr bedenkliche Entwicklung, falls sie sich bewahrheiten sollte.

    Aber wie plausibel ist ein solches Szenario? Korallen gibt es seit geologisch langen Zeiten und waren während Teilen des Erdmittelalters (250-65 Milllionen Jahre vor heute) weit verbreitet, als die Meere sehr viel wärmer waren als heute. Wie konnten die Korallen diese hohen Temperaturen überhaupt verkraften, wenn sie angeblich so anfällig gegen hohe Temperaturen sind? Des Rätsels Lösung ist der Zooxanthellen-Wechsel.