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Held der Woche: Gilles VonsattelEr schafft seinen Solopart «mit links»

Im Casino Bern wird der Pianist Gilles Vonsattel für ein Ereignis sorgen. Er interpretiert ein Klavierkonzert, das Richard Strauss allein für die linke Hand komponiert hat.

Ein- und zweihändig hörenswert: Der schweizerisch-amerikanische Pianist Gilles Vonsattel, geboren 1981 in Lausanne.
Ein- und zweihändig hörenswert: Der schweizerisch-amerikanische Pianist Gilles Vonsattel, geboren 1981 in Lausanne.
Foto: Marco Borggreve
  • Funktion: International gefragter Pianist, der beim BSO debütiert
  • Heldentat: Brilliert auf Wunsch auch einhändig. In den USA Assistenzprofessor für Klavier, der auch einen Bachelor in Politikwissenschaften und Betriebswirtschaft in der Tasche hat
  • Empfohlen für: Klavierkonzert-Besucher, die staunen wollen

Die linke Hand gilt ja gemeinhin als ziemlich ungeschickt. Und wer sagt, er habe zwei linke Hände, meint damit, dass ihm überhaupt nichts Rechtes gelingt. Jetzt kommt ein Pianist nach Bern, der zwei (sogar preisgekrönte) Hände hat und was tut der Mann? Er braucht nur eine, und zwar die linke.

Klavierspielen ist ja schon mit zwei Händen knifflig genug. Und erst recht mit nur einer Hand: Auch wenn bloss fünf Finger im Spiel sind, soll es ja klingen, als wären da zehn! Doch Gilles Vonsattel, so der Name des 39-jährigen Tastenkünstlers, weiss, was er tut.

Dass er Richard Strauss’ Opus 74, den Panathenaenzug für Klavier und Orchester, «mit links» spielt, liegt an diesem Stück. Strauss hat es im Auftrag von Paul Wittgenstein komponiert, dem Bruder des bekannten Philosophen. Im Krieg wurde der Pianist so schwer verletzt, dass ihm in der russischen Gefangenschaft der rechte Arm amputiert werden musste. Doch ans Aufgeben dachte er nicht. Er trainierte und übte, bis er zum Champion des Einhand-Klavierspiels avancierte.

Ravel, Prokofjew, Britten oder Hindemith haben speziell für Wittgenstein komponiert. Ebenso wie Richard Strauss (1864–1949): Dessen halbstündiges Klavierkonzert in einem Satz ist im Konzertsaal ein selten zu hörendes Ereignis. Das Berner Symphonieorchester wird die orchestrale Farbigkeit beisteuern.

Und wenn Gilles Vonsattels Linke bereits ruht, werden Mario Venzago und das BSO noch Bruckners 4. Symphonie an die Hand nehmen. Oder besser: an die Hände. Fast hundert dürften es sein. Eine orchestrale Handarbeit mit Gütesiegel. Garantiert.

Casino Bern (Grosser Saal), Donnerstag, 17., und Freitag, 18. September, 19.30 Uhr