Der Kommentar zum EM-Aus: So brutal

Alles gegeben, besser gewesen und trotzdem nicht gewonnen. Die Schweiz scheidet aus und verpasst es, Geschichte zu schreiben.

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Ueli Kägi@ukaegi

Sie waren so leidenschaftlich. So kämpferisch. So offensiv. So positiv. So solidarisch. So spielfreudig. Sie waren so viel besser als die Polen auch nach einer allerdings enttäuschenden ersten Halbzeit. Am Ende aber haben die Schweizer trotzdem nichts von allen ihren Vorteilen. Sie sind an der EM in Frankreich im Elfmeterschiessen gescheitert. Ausgerechnet wegen Xhakas Fehlschuss, der zuvor erneut stark gewesen war. Was für ein Drama. Und so brutal für die Schweiz.

Die Schweiz steht nicht im Viertelfinal, und wieder hat sie ein qualvolles Ende erlebt. Wie 2006 bei der WM, als sie im Achtelfinal der Ukraine im Penaltyschiessen unterlag und dabei nicht einmal ins Tor traf. Wie 2014 in Brasilien, als sie gegen Argentinien mutig mit- und aufspielte, aber kurz vor Ende der Verlängerung das 0:1 hinnehmen musste und noch kürzer vor Ende nur den Pfosten traf.

Die Schweiz nicht im Viertelfinal, nicht unter den Top 8 von Europa. Das kann eigentlich gar nicht überraschen, das Land ist klein, die Anzahl hochbegabter Fussballer auf natürliche Weise eingeschränkt. Die Schweiz nicht im Viertelfinal. Das steht aber im Widerspruch zu den Ambitionen der Spieler, die erwartet und von sich gefordert hatten, erstmals in der Neuzeit in diese Sphäre vorzustossen.

Es bleibt deshalb auch von diesem Turnier Frust zurück. Der Frust, diesen Match verloren zu haben, den die Schweiz aufgrund ihrer Leistung ab der 46. Minute nicht hätte verlieren müssen, ja, nicht hätte verlieren dürfen. Es bleibt aber auch der Stolz. Und er kann gar stärker sein als alle negativen Gefühle. Die Schweizer haben je länger je mehr in diesen EM-Tagen den Eindruck einer starken Gemeinschaft gemacht und die Krisentage des Frühlings oder die Diskussionen um die Herkunft der Spieler zurückgelassen.

Dieser Auftritt gegen die Polen erzählt vor allem davon. Vom Steigerungslauf. Vom unbändigen Willen, gemeinsam etwas zu erreichen. Von der riesigen Laufbereitschaft. Vom spektakulären Tor Shaqiris. Das Nationalteam hat den eigenen Anhang an diesem Nachmittag mitgerissen wie lange nicht mehr. Nur das Ende, das hat nicht gestimmt. Leider.

DerBund.ch/Newsnet

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