Yakins Aufreger – Hermanns grosses Bedauern

Was ehemalige Nationalspieler zur Leistung gegen Frankreich, zu den zerfetzten Trikots und den möglichen Gegnern sagen.

Ausgerutscht: Ein Franzose fällt hin, Xerdan Shaqiri und Blerim Dzemaili im Vorwärtsgang.

Ausgerutscht: Ein Franzose fällt hin, Xerdan Shaqiri und Blerim Dzemaili im Vorwärtsgang.

(Bild: Keystone)

Thomas Niggl@tagesanzeiger

Hakan Yakin, der für die Schweiz 87 Länderspiele absolviert hat, regte sich während des Spiels beim 0:0 gegen Gastgeber Frankreich über den Rasen in Lille grausam auf, wie er sagt. «Der war ein absoluter Skandal. Ich habe noch selten so viele Spieler gesehen, die ausrutschten.» Das sei aber nicht unbedingt ein Nachteil für die Schweiz gewesen. «Es ist zwei-, dreimal vorgekommen, dass ein Franzose in aussichtsreicher Position ausgerutscht ist.»

Ansonsten hat ihm die Leistung des Teams von Vladimir Petkovic gefallen. Allen voran diejenige von Xherdan Shaqiri, dem zuletzt Kritisierten. «Er war bemüht, hat sich voll in den Dienst der Mannschaft gestellt und auch nach hinten sehr viel gearbeitet.»

Trikots von Lilles Basar?

Yakin fragt sich mit einem Schuss Humor, ob sich die Schweizer die Trikots auf dem Basar in Lille besorgt hätten. Etwas ernster meint der Basler dann: «Gegen die Albaner und Rumänen gingen ja eigentlich keine Trikots in Fetzen. Es ist einfach so, dass die Franzosen neue Massstäbe im Zweikampfverhalten gesetzt haben.» Auch Italien und Tschechien würden mit Puma-Shirts spielen. «Und da ist überhaupt nichts passiert», stellte Yakin fest.

Morgen entscheidet sich, gegen wen die Schweizer am Samstag in den Achtelfinals spielen müssen. «Gegen Nordirland ist es schon schwer genug. Gegen die Polen doppelt so schwer. Und gegen die Deutschen so schwer wie gegen Nordirland und Polen zusammen», befürchtet Yakin. «Es ist leider fast immer so: Du spielst 120 Minuten, und am Schluss gewinnt Deutschland.»

«Gruppensieg wäre möglich gewesen»

Heinz Hermann, der ehemalige langjährige Captain der Nationalmannschaft und mit 118 Länderspielen nach wie vor Rekordnationalspieler, hatte Xherdan Shaqiri nach dem Spiel gegen Rumänien hart kritisiert. «Seine Körpersprache gefällt mir gar nicht», sagte der Zürcher. «Jetzt muss ich sagen, dass sich Shaqiri gesteigert hat. Er hat unheimlich für die Mannschaft gearbeitet, war ein grandioser Teamplayer.»

Hermann bedauert es zutiefst, dass die Schweiz nicht Gruppensieger geworden ist. «Das wäre nämlich durchaus möglich gewesen. Wie der Match gegen die Franzosen zeigte, hat die Schweiz nämlich leider eine grosse Chance verspielt.» Die Schweiz habe jetzt mit Nordirland, Polen oder Deutschland einen unglaublich schweren Gegner. «Die Franzosen können gegen einen Gruppendritten spielen – und das ist schon ein gewaltiger Vorteil, weil bei den sogenannten Kleinen die Luft bereits draussen ist.»

«Auch ich war bisher eher kritisch»

Die Mannschaft habe den Ball gegen die Franzosen gut zirkulieren lassen. «Was mir noch fehlt, ist die letzte Konsequenz, vor allem müsste der letzte Pass genauer sein.» Ein Rätsel sind für Hermann die Trikots, die von den Franzosen in Stücke gerissen wurden. «Dass das nur bei den Schweizern passiert, ist mir ein Rätsel», sagt Hermann. Im Übrigen habe es das Reissen und Zerren auf der internationalen Bühne schon immer gegeben. «Das ist ganz normal und gehört einfach zum Geschäft.»

Aaraus Trainer Marco Schällibaum, der für die Schweiz 31 Länderspiele bestritten hat, sagt zum Auftritt gegen die Franzosen. «Auch ich war mit der Leistung der Schweizer an dieser EM bisher kritisch. Aber jetzt bin ich doch wieder etwas positiver gestimmt», sagt der Zürcher. Die Mannschaft von Vladimir Petkovic sei sehr solidarisch aufgetreten. «Die Mannschaft hat Qualität und spielt jetzt erst noch mit Leidenschaft.» Auch Schällibaum sieht bei Shaqiri einen Aufwärtstrend. «Bei ihm fehlt mir jetzt nur noch sein Zauberfuss. Aber ich weiss, dass er schon im Achtelfinal fähig ist, diesen auszuzpacken.»

DerBund.ch/Newsnet

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