2:1 für die Schweiz – Nella sticht Piaf aus

Oder wie die Schweiz im Kampf der Kulturen und Figuren Frankreich schlägt. Ein Ausblick.

Die Schweizer setzen auf Nella Martinetti im Zentrum und kontern die Franzosen mit der brasilianischen Piaf locker aus. Fotos: Keystone

Die Schweizer setzen auf Nella Martinetti im Zentrum und kontern die Franzosen mit der brasilianischen Piaf locker aus. Fotos: Keystone

Ueli Kägi@ukaegi

Matterhorn vs. Mont Blanc – das Duell der Goalie-Riesen

Die Schweizer nutzen eine Unachtsamkeit der Italiener, gemeinden das Matterhorn ein und stellen es vors eigene Tor. Diese Erhabenheit. Diese Schönheit. Diese Verschlagenheit aber auch. Breit bis in die Ecken unten, spitz, elegant und unberechenbar oben, bringt es ortsfremde Erstürmer erbarmungslos vom Erfolgsweg ab. Und mit der Limitierung der Personenfreizügigkeit bei der ­Hörnlihütte auf 150 Zuzüge pro Nacht verschafft sich das Horn zusätzliche Luft im eigenen Strafraum. Japaner und Chinesen setzen deshalb bereits auf einen Triumph der Schweiz, da fahren die Franzosen mit dem Mont Blanc auf dem Spielfeld vor. Bei diesem Koloss wird für die Schweizer Stürmer schon der Weg zum Tor zur Schicksalsfrage. Und wenn in den 90 Minuten doch einmal einer von ihnen ganz oben ankommt, ist die Luft noch dünner als sonst für die Schweizer, um noch ins Tor zu treffen. 1:0 für Frankreich.

Vacherin vs. La vache qui rit – die herzlosen Verteidiger

Auf der einen Seite steht die vache qui rit. Sie sieht so harmlos aus mit ihrem Dauerlächeln, dabei ist die französische Verteidigerin eine ganz miese Kuh des Trashtalks. Und wenn der Schiedsrichter nicht ­hinschaut, kickt sie den angreifenden Schweizer auch schon einmal mit einem fiesen Haxenschlag vom Melkstuhl. Wer so unfair spielt, muss damit rechnen, dass der Gegner auf ähnliche Weise ­zurückschlägt. Tatsächlich verteilt die Schweiz Vacherin-Häppchen. Was wie eine Geste der Grosszügigkeit aussieht, versetzt dem gegnerischen Spiel das Mass an Listerien, dass dieses Duell schon in der Halbzeitpause entschieden ist. 1:1.

Martinetti vs. Piaf –  im Zentrum spielt die Musik

Die Franzosen troubadieren im Mittelfeld mit herzzerreissender Leidenschaft. Und sie versuchen, mit brasilianisch ­anmutenden Spitznamen zusätzliche Aufmerksamkeit zu erhaschen. Edith Giovanna Gassion, Künstlername Piaf, bereut keinen Pass und beschwingt nicht nur das Spiel, sondern zeigt dank der vom Vater geerbten und zirkus­erprobten Qualitäten als Schlangenmensch ebenso überraschendes Durchsetzungsvermögen im Zweikampf. Wichtige Leitmedien wie «Glanz und Gloria» sind von Piaf ebenfalls begeistert, mit ­ihren Liebesaffären stützt sie den Ruf des Nationalteams auch ausserhalb des Rasens bedingungslos. Die Franzosen glauben dank der Piaf schon einen Treffer erzielt zu haben, da nominiert die Schweiz auf Druck von «Blick» und «Glückspost» Nella Martinetti fürs Zentrum. Und zur Verstärkung bringt Martinetti auch noch gleich fesche Jünglinge mit. Was für ein genialer Zug, was für ein Konter, ai, ai, ai. Die Schweiz führt 2:1.

St. Moritz vs. St. Tropez –  Schweizer Zerfall im Sturm

Mit dem Privatjet nach Samedan, Fitnessschlaf auf Muottas Muragl, After-Hour im Dracula-Club und Verlängerung in der Botox-Bar. Nie war der Schweizer Sturm mondäner, wissenschaftlicher, langatmiger, aufgemotzter. Nur: Es ist ein gar oberflächliches Bild. Im Ernstkampf zeigt die Mannschaft Zerfallserscheinungen. Was aus der Distanz frisch aussieht, wird im Bild der HD-Kameras faltig und grau – und im Sommer dann gar noch zum Überläufer, um im goldenen Licht des Südens schöner zu glänzen. So spielen die Franzosen mit St. Tropez praktisch in doppelter Überzahl. Martinetti, der Vacherin und das Mattterhorn verhindern, dass die Gegner mehr als einmal treffen. Zwischenstand: 2:2.

Blatter vs. Platini – zwei Trickser von der Bank

Unentschieden nach 90 Minuten. Jetzt gewinnt die Ersatzbank an Bedeutung. Die Schweiz wechselt Sepp Blatter ein. Schade hat er seine Strafe erst gerade ­abgesessen. Wäre er schon bei der Gruppenauslosung einsatzbereit gewesen, hätte die Schweiz leichtere Gegner ­erhalten. Ähnliches lässt sich über die Franzosen sagen. Michel Platini ist an der Seitenlinie einsatzbereit. Nicht aufgegangen ist sein Plan, den Sieg mit einer 2-Millionen-Franken-Zahlung beim Schiedsrichter einzukaufen – Blatter hat den russischen Referee mit einer Zahlung für Beraterdienste hinsichtlich der Präsidentenwahl 2019 neutralisiert. Es gibt für beide Mannschaften noch je zwei ungerechtfertigte Penaltys, 4:4.

Blocher vs. Sarkozy – das Duell der kleinen Staatsmänner

4:4 stehts auch nach acht erfolgreichen Versuchen im Elfmeterschiessen. Die Spannung wäre unaushaltbar, wüsste sich die Schweiz nicht bereits in Sicherheit. Sportminister Ueli Maurer hat nach der Verlängerung Christoph Blocher als fünften Penaltyschützen durchgesetzt, der Christoph schiesse eben besonders scharf, behauptet Maurer. Während er noch Blochers Wädli massiert, ist für Frankreich schon Nicolas Sarkozy auf dem Weg zum Punkt, da Hollande eine Schwäche im Penaltyschiessen nach­gesagt wird. Unglücklicherweise hat der frühere Staatspräsident Sarkozy vergessen, seine Plateauschuhe auszuziehen, das gereicht ihm jetzt zum Nachteil. Blocher verwandelt. Dass Carla Bruni nun in Herrliberg einzieht, bleibt vorerst ein Gerücht. Was aber sicher ist: 5:4 für die Schweiz nach Elfmeterschiessen.

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