«Ronaldos Ausfall war der Schlüssel zum Erfolg»

Portugal holt den EM-Titel, obwohl das Team gegen Frankreich während 95 Minuten ohne den Superstar auskommen musste. Experten sagen, was das Ausscheiden bewirkt hat.

  • loading indicator
Thomas Niggl@tagesanzeiger

Heinz Hermann, mit 118 Länderspielen nach wie vor Rekordnationalspieler der Schweiz, war von den Portugiesen tief beeindruckt. «Man sagt noch schnell einmal, wir sind eine Mannschaft. Aber man muss das auch unter Beweis stellen, wenn es dann wirklich darauf ankommt. Die Portugiesen sind eine Mannschaft, eine intakte, eine verschworene Gemeinschaft. Das haben sie nach dem verletzungsbedingten Ausfall ihres Leaders Ronaldo eindrücklich bewiesen. »

Jeder einzelne Spieler habe noch mehr Verantwortung übernommen. «Als ich gesehen habe, wie Ronaldo noch am Boden liegend Nani die Captainbinde überstreifte und sich mit ihm dann noch intensiv besprach, habe ich schon geahnt, dass Ronaldos Out auch etwas Positives bewirken könnte.» Die Portugiesen seien dann unglaublich solidarisch untereinander gewesen. «Jeder ist für Ronaldo in die Bresche gesprungen. Das hat mich tief beeindruckt.»

Der Fokus auf Ronaldo

Nani sei nach Ronaldos Auswechslung mehr ins Sturmzentrum gerückt. «Und auch defensiv sind die Portugiesen taktisch sehr gut gestanden. Schlussendlich haben sie das Spiel meiner Meinung nach dann auch verdient gewonnen.»

Auch Georges Bregy, der ehemalige Spielmacher der Schweizer Nationalmannschaft, sah nach dem Ausfall von Ronaldo eine unheimlich solidarische Mannschaft. «Als sich Ronaldo verletzt am Boden wälzte, hat sich sofort fast jeder Spieler um ihn gekümmert und ihn gefragt, wie es ihm gehe. Das hat mir gezeigt, wie fokussiert alle auf Ronaldo sind», sagt der Walliser.

«Nach Ronaldos Ausfall waren die Portugiesen viel stärker»

Auch im Spiel seien anfangs alle auf Ronaldo fokussiert gewesen. «Das hat sich dann schlagartig geändert. Und jeder hat sich dann gesagt: ‹Ohne Ronaldo muss einfach jeder noch mehr Verantwortung übernehmen.» Ronaldo habe in der Pause offenbar eine Ansprache gehalten und sei dann in der Verlängerung plötzlich an der Seitenlinie aufgetaucht. «Das war noch einmal ein zusätzlicher Motivationsschub für alle.»

Ähnlich sieht es der ehemalige Schweizer Nationalstürmer Ruedi Elsener. «Ich bin mir gar nicht sicher, ob Portugal mit einem gesunden Ronaldo das Spiel auch gewonnen hätte», sagt der Zürcher. Nach der verletzungsbedingten Auswechslung habe er eine ganz andere portugiesische Mannschaft in Paris gesehen. «Jeder einzelne Spieler hat Verantwortung übernommen. Das Spiel war dann nicht mehr nur auf Ronaldo ausgerichtet und deshalb für die Franzosen nicht mehr so leicht berechenbar», analysiert Elsener und zieht sein persönliches Fazit: «Ronaldos Ausfall war der Schlüssel zum Erfolg. Denn danach waren die Portugiesen für mich viel stärker.»

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt