Kurz vor Anpfiff: Das SMS-Interview mit Islands Goalie

Wenige Stunden vor dem Spiel gegen England gibt Hannes Halldorsson noch locker Auskunft.

Jubelnde Isländer: Gelingt dem Aussenseiter gegen England die nächste Sensation?

Jubelnde Isländer: Gelingt dem Aussenseiter gegen England die nächste Sensation?

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Einen Versuch ist es wert. «Hallo Hannes, hast du Zeit für ein telefonisches Interview vor dem Spiel gegen England?» Eine Kurznachricht an Hannes Halldorsson, Nationalgoalie von Island, abgeschickt am Samstag. Die Antwort kommt am Montagmittag: «Wenn du mir ein paar Fragen schickst, beantworte ich sie schnell per SMS.»

Rund acht Stunden sind es da noch bis zum Anpfiff des Achtelfinals gegen England. Und wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass dieser Halldorsson eine coole Socke ist, dann wäre er damit erbracht. Aber wer Halldorssons Geschichte kennt, der hat daran gar nicht erst gezweifelt. Der Mann wog 2005 noch 105 Kilogramm, hat als Filmer ziemlich schräge Ideen und ist erst seit knapp zwei Jahren Profifussballer.

Hannes Halldorsson, merken Sie, dass das isländische Team die Herzen der europäischen Fussballfans im Sturm erobert hat? Gut, wir nehmen mal die Portugiesen und Österreich davon aus.
Ja, wir spüren viel Unterstützung. Die Menschen scheinen unsere Mannschaft zu mögen. Jeder hat ein Herz für den Underdog. Ausserdem spielen wir mit Herz und Leidenschaft, und die Leute sprechen ganz offenbar darauf an.

Cristiano Ronaldo hat sich nach dem 1:1 im ersten Gruppenspiel zwischen Island und Portugal über den isländischen Fussball beklagt. Er wollte eine kleine Mentalität gesehen haben. War das in Ihrem Team ein Thema?
Ich denke, es war etwas respektlos dem gegenüber, was wir erreicht haben. Wir spielen unsere Stärken aus. Wir spielen mit Leidenschaft, mit der Liebe, die wir für unsere Heimat und für unsere Mitspieler verspüren. Wenn das kein guter Fussball ist, dann weiss ich nicht, wie guter Fussball aussieht.

Ronaldo hat auch vorausgesagt, dass Island mit diesem Spiel nicht weit kommen werde. Aber wie weit kann Island wirklich kommen?
Oh, fragen Sie mich nach dem heutigen Spiel nochmals. Wir sind uns aber sicher, dass wir gegen jede Mannschaft ein gutes Ergebnis erreichen können.

Sie haben vor dem Turnier gesagt, der 1:0-Sieg in Holland in der Qualifikation sei Ihr emotionalstes Spiel aller Zeiten gewesen. Das dürfte sich inzwischen etwas geändert haben, oder?
Natürlich wird das Spiel heute Abend gegen England das grösste Spiel in Islands Fussballgeschichte sein. Und davor war es das Österreich-Spiel. Davor das gegen Ungarn und davor jenes gegen Portugal. Wir haben in den letzten Jahren jede Menge Partien absolviert, die jeweils als die wichtigste Begegnung aller Zeiten bezeichnet wurden. Man kann sagen, dass wir inzwischen eine gewisse Routine darin entwickelt haben.

Gab es nach dem 2:1-Sieg gegen Österreich ein Fest – oder gibt es dazu während eines Turniers keine Zeit?
Wir waren alle überglücklich, und wir hatten einen netten Abend, aber keine Party. Am nächsten Morgen war der Fokus bereits auf dem Spiel gegen England.

Trainer Lars Lagerbäck hat gesagt, die Spieler hätten in der Vorbereitung «wenig zu lachen gehabt». Dafür besitze das Spiel der Mannschaft nun eine Struktur. Spielt Island derzeit wirklich anders als in der Qualifikation – vielleicht etwas defensiver?
Die Vorbereitung war eigentlich ähnlich wie immer, einfach länger. Wir wollten eigentlich nicht anders spielen als in der Qualifikation. Aber wir spüren selber, dass wir bislang noch gar nicht so gut gespielt haben, wie wir das eigentlich könnten. Hoffentlich gelingt es uns heute Abend.

Was erlebt Island derzeit: ein Traum, ein Märchen – oder einfach ein Team, das Erfolg hat, weil es alles gibt?
Es ist eine Mischung aus all diesen Dingen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.06.2016, 16:01 Uhr

Artikel zum Thema

Das Märchen des isländischen Goalies

Porträt Es ist eine verrückte Geschichte wie aus Hollywood: Hannes Halldorsson war 2005 noch Hobby-Kicker – heute steht er bei Island im Tor. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Werbung

Fussballinteressiert?

Hintergrundinformationen, Trainerdiskussionen und Pseudo-Expertentum vom Feinsten.

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...