Mit wem sich Götze vergleicht und wer ihm Wunderheilung wünscht

Der Weltmeister ist bisher der grosse Verlierer dieser EM. Wie er vor dem Spiel heute gegen Nordirland mit der teilweise vernichtenden Kritik umgeht.

Der grosse EM-Verlierer: Weltmeister Mario Götze.

Der grosse EM-Verlierer: Weltmeister Mario Götze.

Thomas Niggl@tagesanzeiger

Der Mann, der vor zwei Jahren an der Weltmeisterschaft in Brasilien im Endspiel gegen Argentinien das goldene Tor zum 1:0-Sieg erzielt hatte, geniesst bei Bundestrainer Jogi Löw offenbar immer noch einen Bonus. Mario Götze stand sowohl im Startspiel gegen die Ukraine als auch in der zweiten Partie gegen Polen in der Startelf, wurde jedoch zweimal ausgewechselt, weil er keine Akzente setzen konnte. Die Kritiken für Götze fielen zum Teil vernichtend aus. Und DerBund.ch/Newsnet wartete mit der Schlagzeile auf: «Der tiefe Fall des Mario Götze».

In der Nationalmannschaft ungenügend, bei den Bayern nur noch Edelreservist mit wenig Hoffnung auf eine Stammplatzgarantie, die ihm nämlich auch Guardiolas Nachfolger Carlo Ancelotti in einem persönlichen Gespräch nicht geben mochte. Im Gegenteil: Die Bayern wollen Götze loswerden, der seinen Vertrag bis 2017 aber partout erfüllen will, wie er vor der EM gegenüber den Medien betonte.

«Am Ende des Tages muss Mario das für sich bewerten»

Aussagen, die beim Vorstandsvorsitzenden der Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, allerdings grosse Verwunderung hervorrufen. «Mario wurde alles klar und seriös kundgetan», sagte er zum «Kicker». Götze wisse Bescheid, wie der Club denke. «Und er weiss, wie der künftige Trainer denkt. Aber am Ende des Tages muss Mario das für sich bewerten», fuhr Rummenigge fort.

An einer Pressekonferenz der Deutschen in Frankreich äusserte sich Götze zu den Kritiken, die an der EM bisher auf ihn einprasselten. «Mal ist man der Hund, mal ist man der Baum», sagte Götze gegenüber der Weltpresse. Was Götze meinte, aber nicht aussprach: Ein Hund wird gestreichelt – der Baum wird angepinkelt, oft von Menschen, beim Gassigehen auch mal von einem Hund.

«Für mich war Götze auf dem Platz verloren»

Götze in der Krise. Jetzt meldet sich auch Reporterlegende Marcel Reif zu Wort. Der Schweizer und Experte von Sky sagt, dass es für Götze gut wäre, wenn er irgendwo mal aus dem Fokus käme. «Wenn er einen Verein findet, wenn es nicht Bayern ist, wo er sich in Ruhe wieder finden kann. Ich würde es ihm von Herzen wünschen, weil wir gar nicht so viele Talente in der Grössenordnung haben.

Für die EM werde es, glaubt Reif, nicht reichen. «Für mich war Götze auf dem Platz verloren. Nicht nur er, aber er ganz besonders. Und die Gegner werden stärker werden. Wenn er nicht plötzlich eine Wunderheilung kriegt, auch mental, dann sehe ich da wenig Chancen.» Heute Abend spielen die Deutschen gegen Nordirland ihr drittes Gruppenspiel. Offenbar mit Mario Gomez erstmals in der Startelf. Für Mario Götze?

DerBund.ch/Newsnet

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